Update Pflegeschule

 

Ein Wunder feiern

Bevor Schwester Hildegard Enzenhofer SDS zu den Absolventen des ersten Kurses der Krankenpflegeschule spricht, muss sie einen Moment inne halten. Es kommt ihr wie gestern vor, als sie die Studierenden in den gerade erst fertig gestellten Räumen 2007 begrüßte. Nun, vier Jahre später, sitzen junge, gut ausgebildete und gereifte Persönlichkeiten vor ihr. "Wir feiern ein Wunder. Eine Vision, an die am Anfang nur einige wenige Menschen geglaubt haben, wird heute Wirklichkeit," sagt Schwester Hildegard zu den Absolventen und ihren Familien, die zur Feierstunde nach Beit Emmaus gekommen sind. Die Studierenden haben ihre akademische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und stehen nun für den Einsatz in Krankenhäusern und Kliniken in den palästinensischen Gebieten bereit.

 

Schwester Hildegard ist wichtig zu betonen, dass es nicht die Idee der Salvatorianerinnen in Emmaus oder des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande war, eine Krankenpflegeschule in Emmaus zu eröffnen. "Es war der Wille der Bevölkerung von Emmaus", erinnert sie sich. Nach vielen Gesprächen mit der Bethlehem Universität, dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande sowie Fördereinrichtungen wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) sowie Misereor, wurde aus der ersten Idee ein konkreter Plan.

Auch wenn sich die heutigen Absolventen noch in einem Internet-Cafe in Emmaus für den ersten Kurs einschreiben mussten, weil das Gebäude auf dem Gelände von Beit Emmaus noch nicht fertig war, blickt das Leitungsteam heute auf eine funktionierenden Schulbetrieb. Der Pflege- und Biologie-Bereich ist gut ausgebaut und den Studierenden stehen ein Computer-Raum sowie eine Bücherei zur Verfügung. Die Ausbildung in Emmaus ist der Bethlehem Universität angegliedert, um eine akademische Pflegeausbildung auch in das nördliche Westjordanland zu bringen.

 

Von Anfang an zielten die Aktionen der Krankenpflegeschule auch auf die Bevölkerung in Emmaus – schließlich kam der Gedanke zu dieser Schule von ihnen. Mit einem Gesundheitstag, Erste-Hilfe-Kursen und einem Kindergesundheitstag machten Dozenten und Studierende immer wieder auf das Thema Gesundheit aufmerksam. "Es hat uns alle sehr gefreut, als Hunderte Familien beim Kindergesundheitstag zu uns strömten", erinnert sich Schwester Hildegard.

 

Sie dankt allen, die es möglich gemacht haben, dass der erste Kurs seinen erfolgreichen Abschluss feiern kann: Der Bethlehem Universität, den Spenderinnen und Spendern, der lokalen Verwaltung in Emmaus und den Mitarbeitenden in Beit Emmaus. "Gott hat uns die Kraft gegeben, immer weiter zu machen – allen Problemen und Rückschlägen zum Trotz." Ein Blick in die stolzen Gesichter der Absolventen verrät viel, über die neue Perspektive, die sie dank der Ausbildung in Beit Emmaus heute sehen. Es lohnt sich weiter zu machen.