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Was ist neu in der Pflege? Herbst 2009

 

Nachdem wir schon fast ein Jahr nichts mehr von den den jungen Maennern des roten Halbmondes gehoert hatten, kam ploetzlich aus dem Blauen heraus die Anfrage "koennen wir am Freitag kommen".

Natuerlich was fuer eine Frage, nachdem unsere Damen sie doch alle so ins Herz geschlossen haben. Nach einer Woche des Wartens war es dann endlich so weit, schon am fruehen morgen hoerte man im Haus von allen Seiten hafle, hafle, hafle ilyoom!!" Heute gibts ein Fest, Fest. Wie immer wurden sie freudig begruesst, besonders von Neemeh 1, die sich so richtig verausgaben konnte. Sie tanzte und tanzte und wurde immer wieder aufgefordert weiter zu machen, was sie natuerlich bei so viel maennlicher Aufmarksamkeit gerne machte. Wardeh ihre stete Begleitung war da nicht so zuvor kommend, sie meinte erst immer wieder "ana ma baraf" Ich weiss nicht, aber sie lies sich doch zu ein paar Tanzschritten ueberzeugen, allerdings auch nur dazu und dann ging es

schnell wieder zu ihrem Platz, um auf das Essen zu warten.

Shafeeqa lachte und tanzte und flirtete mit allen gleichermassen und konnte von den vielen Leckereien, die mit gebracht wurden gar nicht genug bekommen. So dass sie beim Abendessen schon von weitem rief ana ma biddi, ich moechte nicht. Was sehr untypisch fuer sie ist.

Aber der Hit des Tages, war Susu! Sie sass auf einem Teppich mitten in der Laube von allen umringt und tanzte und schrie was das Zeug hielt, immer wieder fing sie von vorne an, auch wenn keine Musik war, da Karim der Saenger so langsam heisser wurde. Sie hoerte erst auf als sich einer der Maenner neben sie setzte und ihr sfiha gab. Sie war im siebten Himmel da sie mundgerechte Stuecke in den Mund gelegt bekam und nicht wie sonst selber essen musste.

 

Auch Alice fand die persoenliche Aufmerksamkeit toll, sonst laesst sie sich nicht so leicht aus dem Bett locken dieser Tage, aber fuer das Fest kam sie gerne im flotten Kleidchen, allerdings ohne Hut, den sie gerne zur Messe traegt.

Ihre Freundin Leila war leider nicht dabei, sie hatte beschlossen nicht nur auf Urlaub zu ihrer Schwester nach Tullkarem zu gehen, sondern ihrem bitten nachzugeben zu ihr zu ziehen. Leilas Schwester fuehlte sich einsam nachdem ihr Mann gestorben war. Wir hoffen es geht ihr gut, da sie sich nur einmal gemeldet hat und alle gegruesst hat und gebeten hat wir sollen sie alle in guter Erinnerung behalten.

 

Dafuer hat sich Im Issa umso mehr gefreut, da die jungen Maenner alle von ihrem Dorf, Katarna, kommen, immer wieder sagte sie ana min katarna, ich bin von Katarna. Sie strahlte ueber ihr ganzes Gesicht und ass mit viel Appetit die besonders weichen sfiha, die sie auch ohne Zaehne ganz wunderbar essen konnte. Im Issa nimmt sich auch sehr liebevoll um unsere neue alte Bewohnerin an. Jaleela ist wieder da, leider kann sie nicht mehr so singen und trillern wie noch vor einem Jahr, ihre Stimme ist heisserer geworden was sie aber nicht davon abhaelt, wenn sie mal alleine im Bett liegt Yaa banat yaa banat taalu, Maedchen ja Maedchen kommt her, zu rufen. Ausserdem haeet sie gerne das wir waehrend der Fahrt im Aufzug die Tueren auflassen, da der Blick so schoen sei. Sie war weniger beeindruckt davon, das das nicht moeglich war.

Eine weitere neue Bewohnerin kam schon vorher zu uns Linda, aus Ramallah, wohnt seid Mai bei uns und genoss das Fest in vollen Zuegen, da sie in vielen der Maenner ihre beiden Soehne wieder erkannte und freute sich beide so wohlauf zu sehen. Fuer ihre richtigen Soehne ist es manchmal etwas traurig, da sie sie nicht immer erkennt oder sie als ihre Brueder erkennt und nicht als ihre Soehne. Die beiden tragen es mit Fassung und kommen immer gerne zu Besuch und wenn es nicht gerade regnet nehmen sie Linda auf einen Spaziergang mit. Jedes Mal fragen sie oft schon vorher ob Linda etwas braucht oder ob wir etwas brauchen, sollen sie etwas mitbringen. Oft kommt auch ein Einladung sie in Ramallah zu besuchen.

Shadea geht es wieder etwas besser und sie kam mit in die Laube und kicherte vor sich hin und genoss die Musik, auch wenn sie nicht mehr tanzen kann. Ihre Zimmernachbarn Halime hingegen, klatschte im Takt der Musik und lachte und grinste die Herren gerne an. Sonst geht es Halime wie eh und je gut, sie kommt im Medizinzimmer oder in Sr. Hildegards Buero vorbei, um sich Schokolade abzuholen. So passiert es oefter einmal das Sr. Hildegard auf einmal eine klatschende Halime neben sich stehen hat, die sie anlacht und darauf wartet etwas zu bekommen.

 

Selbst Salwa Tabri kam fuer eine kurze Zeit in die Laube, allerdings war die Musik nicht so sehr nach ihrem Geschmack und sie bat darum bald wieder in ihr Zimmer gehen zu duerfen, dort hoert sie immer wieder gerne klassische Musik, am liebsten Mozart. Allerdings hat sie mir diese Woche mitgeteilt, das sie auf Grund des Wetters jetzt lieber nicht mehr hoeren moechte, da der schwankende Strom ihrer Musikanlage schaden koennte, so verzichte sie lieber. Nach anfaenglicher Umgewoehnung, das Leila nicht mehr in ihrem Zimmer ist, erfreut sie sich sehr an Im Issa. Immer wieder sagt sie, so eine liebe Frau, schoen das wir das Zimmer teilen.

Margo war die einzige die sich nicht davon ueberzeugen lies mit den Maennern zu tanzen das gehoere sich schliesslich nicht, aber sie genoss den Trubel. Um Mufideh darf sie sich nicht mehr kuemmern, nach einem Missverstaendnis, moechte Mufideh nicht mehr ihre Hilfe, aber die braucht sie auch nicht mehr. sie kann so viel selbststaendig machen, sie hilft sogar dabei den Tisch zu decken.

 

Ein weiteres grosses Ereignis diesen Sommer, verdanken wir Sr. Erika und dem Caritas Baby Hospital, vielen Dak nocheinmal an dieser Stelle fuer die grosse Freude, wir bekamen neue Arbeitskleidung! Die arabischen Angestellten schauten erst etwas skeptisch, als ich sie zur anprobe bat, aber dann als sie im neuen Gewand dastanden war Ihnen die Freude ins Gesicht geschrieben. Das war aber noch gar nichts gegen die Freude auf Station, als alle in neuer Arbeitskleidung erschienen. Von allen Seiten klang es hilu, bijanin(?) wie schoen.

Leider hatten wir auch ein nicht so schoenes Ereignis, Ende Juli ging es auf einmal unserer Fatima schlecht, so sehr das sie ins Krankenhaus kam, bei den Juden al hamdullilah, da sie von ihren Aerzten mehr hielt. Aber leider starb sie dort sehr schnell, wir vermissen sie sehr mit ihrem zeternden Charm. Ihre Familie war sehr dankbar fuer ihre Zeit bei uns und schenkte uns einen neuen Rollstuhl, shukran iktier.

Fuer zwei Tage hatten wir auch eine neue Bewohnerin Bothaina, eine liebe Frau aus Ramallah, die sich gerne Wasser ueber den Kopf schuettete und ihre Kleider oft wechselte, aber sie ihre Familie beschloss dann doch sie wieder mit nach Hause zu nehmen.

Neemeh 2 und Suad freuten sich besonders als wir die Wintersachen rausraeumten, sofort wollten sie am liebsten mehrere Pullis auf einmal anziehen. Neemeh 2 erfreut uns immer mehr mit ihrem lachen und ihren Streichen, so nimmt sie ganz gerne mal Suad oder wer am naechsten sitzt das Essen weg. Und sie mag es auch gar nicht wenn man ihr den Teddy wegnehmen will.

Suad ist meist froehlich, allerdings muss man sie haeufig erst einmal davon ueberzeugen das sie ja eigendlich gerne in den Garten geht, besonders wenn sie ihre Windjacke ausfuehren darf.

Aber nicht nur unsere behinderten Frauen freuen sich ueber die Wintersachen, Ghaliah kann endlich wieder ihre tolle Muetze aufziehen. Sie bezeichnet uns jetzt oefter als Schurta Polizei, da wir ihr auf die schliche gekommen sind, das sie gerne die Laetzchen vom Tisch einsteckt, so das sie einmal sogar 13 in ihrem Koerpchen mit sich herumfuhr, abgesehen von den 3-4 Rollen Toilettenpapier fuer die sie alle Verwendung hat.

 

In der Hinsicht gleicht sie fast Noel die allerdings zwei verschiedene Sorten Toilettenpapier braucht sowie mehrere verschiedene Seifenstuecke. Noel hat ein auf und ab mit der Session, aber an einem ihrer "guten" Tage klingelte sie an der Haustuer, und wer Noel kennt weiss das es dann besonders laut ist und meinte dann ganz entruestet: sie wohne nun schon seid ueber 16 Jahren hier und noch immer hat sie keinen Schluessel bekommen. Tja was soll man dazu noch sagen.

Im Ameeneh kuemmert sich wie eh und je um Ameeneh, allerdings merkt man ihr an das es nicht mehr so einfach geht und auch das fasten im Ramadan war schwer fuer sie, aber sie wollte es unbedingt. Ameeneh konnte leider aus gesundheitlichen Gruenden, diesmal nicht fasten. Dafuer hat Nisreen gefastet und Maysoon war in dieser Zeit zu Hause, um den Ramadan mit ihrer Familie zu begehen.

 

Besondere Freuede haben unsere Austauschschueler aus Moenchengladbach gebracht, Jessica, die sich so herrlich mit Wardeh streiten konnte. Annette, die sich so liebevoll um Jameeleh und Sorayya gekuemmert hat. Und nicht zu vergessen Marcel den Ameeneh 2 und Im Samir, so ins Herz geschlossen haben. Im Samir fragt heute immer noch nach ihm und kann nicht verstehen das er in Deutschland ist. Letzte Woche hat sie gefargt, ob sie nicht auch nach Deutschland fliegen koennte, na was ihre Toechter wohl dazu zu sagen haetten?

So ist der Sommer doch ganz schnell vorbei gezogen und wir warten voll Vorfreude auf den Regen und die Weihnachtszeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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