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Fasten – Beten – Zusammensein

 

In Europa hört man – nicht zuletzt durch die Immigranten aus islamischen Ländern – immer wieder vom Fastenmonat Ramadan: In dieser Zeit verzichten gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken – soviel ist allgemein bekannt. Aber warum tun sie das? Woher kommt der Brauch, wie beeinflusst er das Zusammenleben der Menschen und gibt es vielleicht „Tricks“, durch die sich das Fasten besser aushalten lässt? All diesen Fragen unserer Zivis und Volontärinnen hat sich Mashal Ahmad, Lehrer aus unserem Nachbardorf Beit Surik, geduldig gestellt.

 

Was bedeutet der Ramadan für die Muslime? Woher kommt die Tradition des Fastens?

Der Ramadan ist ein wichtiger Monat für alle Muslime. In diesem Monat verzichten wir auf Essen und Trinken und reden auch nicht allzu viel. Wir sind besonders ehrlich zu unseren Verwandten und Freunden und kümmern uns auch um Menschen, die keine Familie mehr haben. Gemeinschaft ist also ein wichtiges Element des Ramadan. Ich erinnere mich noch an ein Fastenbrechen, als ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten war: Wir luden dazu alle unsere Freunde ein – egal ob sie Muslime, Christen oder Hindus waren. Auf dieses Miteinander kommt es im Ramadan an.

Im heiligen Koran steht geschrieben, dass wir einen Fastenmonat halten sollen. Jedes Jahr warten wir also einen Monat jeden Tag auf den Sonnenuntergang, bevor wir essen und trinken. Wir haben besondere Gebete für diese Zeit und lesen viel im Koran. Der Fastenmonat ist eine Pflicht für alle Muslime. Wenn sich jemand an diesen 29 Tagen nicht ans Fasten hält, obwohl er dazu körperlich in der Lage ist, erzürnt das Gott, glauben wir.

Beginn und Ende des Ramadans variieren von Jahr zu Jahr; sie richten sich nach dem Stand des Mondes. Eigentlich sollten alle Muslime weltweit zur selben Zeit den Fastenmonat begehen. Doch in manchen Länder verschieben sich die Daten um ein bis zwei Tage.

 

Gibt es irgendwelche „Strategien“, um sich während des Tages von Hunger und Durst abzulenken?

Ein gläubiger Moslem betet viel und liest aus dem Koran. Außerdem verbringen wir viel Zeit mit Freunden und Verwandten. Normalerweise bekommt man ja spätestens gegen zehn Uhr morgens Hunger und Durst. Aber wenn der Ramadan beginnt, denken wir nicht über solche Dinge nach. Spätestens nach ein paar Tagen empfinden wir auch kein Bedürfnis nach Essen oder Trinken mehr um diese Uhrzeit. Gut, ich muss zugeben, dass ich in meinem Beruf nicht körperlich arbeite. So fällt mir das Fasten sicher leichter als vielen anderen. Aber da ich normalerweise erst um zehn Uhr frühstücke, ist auch für mich die Umstellung im Ramadan nicht immer ganz leicht. Dennoch: Der Ramadan ist uns dieses Opfer wert. Denn wir fasten nicht für die Menschen um uns herum, sondern für uns selbst und für Gott. Wie gesagt: Auch das Gebet hilft uns – besonders das gemeinschaftliche in der Moschee. Denn wir wissen, dass Gott im Ramadan viele gute Dinge an uns Menschen tut. Und so beten wir gerade im Ramadan besonders für Frieden mit unseren Mitmenschen.

 

Wie läuft das Fastenbrechen ab?

Die ganze Familie kommt zum Essen zusammen. Danach lesen wir gemeinsam im Koran und besuchen Freunde und Nachbarn. Im Ramadan gibt es besondere Spezialitäten, die wir im restlichen Jahr nicht essen, zum Beispiel Qatâyif (mit Käse oder Nüssen gefüllte Pfannkuchen) oder Ma’mûl (mit Datteln gefüllte Kekse). Außerdem kochen wir im Ramadan jeden Tag, was wir sonst nicht immer tun.

 

Wie beeinflusst der Ramadan das Familienleben und die Beziehungen zu Freunden?

Wir laden im Ramadan viel öfter Verwandte und Freunde zum Essen ein, als wir das sonst tun. Gerade die Beziehungen innerhalb der Familie sind besonders herzlich in dieser Zeit. Wenn beispielsweise die Kinder erwachsen sind und ihre eigene Familie gegründet haben, kommen sie nicht mehr so oft heim zum Essen. Im Ramadan ist das anders: Familie und Freundschaft, Besuchen und Geben werden groß geschrieben. So unterstützen wir besonders in dieser Zeit auch die Menschen, die arm sind: Egal, ob sie nun der engen oder weitläufigen Verwandtschaft angehören, ob sie gute Freunde oder „nur“ Nachbarn sind.

 

Was bedeutet dir persönlich der Ramadan? Wie beeinflusst er dein Leben?

Der Ramadan ist mir sehr wichtig, da ich in dieser Zeit Gottes Nähe besonders stark spüre. Wir bitten ihn um ein gutes, gesundes und erfolgreiches Leben und darum, dass wir nach unserem Tod zu IHM in den Himmel kommen. Der Ramadan stärkt mich in meinem Glauben an Gott und Tugenden wie Güte und Gnade. Das Fasten wirkt dabei wie ein Filter, der unsere Taten, Worte und Gedanken reinigt. Viele Menschen, die sich sonst nicht so genau an die Gebetszeiten halten, achten im Ramadan darauf, dass sie keines der fünf täglichen Gebete auslassen. In diesem Monat bitten wir um Vergebung und beten für unsere Glaubensbrüder, denen es nicht so gut geht wie uns – zum Beispiel im Iran oder in Somalia. Wir beten auch für Menschen, die einem anderen Glauben angehören. Wir bitten Gott, dass er ihnen die Sünden vergebe und ihnen ein gutes Leben beschere.

Wenn wir Gutes im Ramadan tun, denken manche Menschen, diese Taten würden für den Rest des Jahres reichen. Dem ist aber nicht so: Wir sollen uns das ganze Jahr über um unsere Verwandten, Freunde und Nachbarn kümmern und uns freundlich und großzügig ihnen gegenüber verhalten.

Für mich persönlich gibt es im Ramadan leider auch immer einen Wermutstropfen: Allzu gerne würde ich die Gebete im Ramadan gemeinsam mit den anderen Gläubigen in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem verrichten – sowie unsere Familien es über Generationen getan haben. Doch leider verbietet uns die politische Situation nach Jerusalem zu fahren. Aber so wie wir für unsere Verwandten und Freunde beten, so bitten wir Gott auch um ein friedliches Zusammenleben mit unseren israelischen Nachbarn. Und so werden wir hoffentlich in Zukunft wieder in Jerusalem beten können – so Gott will!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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