Emmaus-Chronik
Das Neueste aus der Emmaus-Gemeinschaft...
Mai
Fünf Schwestern gehen nach Abu Ghosh in Exerzitien, die P. Rudi Pöhl SVD leitet. P. Rudi ist ein langjähriger Freund der Salvatorianerinnen im Heiligen Land und besucht Beit Emmaus und die anderen Gemeinschaften im Land für einige Tage.
Ansonsten steht der Mai ganz im Zeichen des Besuches von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land. Die Sicherheitsvorkehrungen sind so streng, dass es uns kaum möglich ist, in dieser Zeit nach Jerusalem zu kommen. So verfolgen auch wir das Besuchsprogramm hauptsächlich am Fernseher.
Viele Pilgergruppen aus Deutschland und Österreich nutzen den Besuch des Papstes und die angenehmen Temperaturen, um ins Heilige Land zu kommen. Einige von ihnen haben auch Beit Emmaus auf ihrem Programm.
Ende Mai verlässt uns Volontär Michael Nann, nachdem er neun Monate in Werkstatt und Garten mitgearbeitet hat. Auch für unsere drei Austauschschüler aus Mönchengladbach – Tobias Eßer, Birte Brockmann und Andreas Risters – geht der Aufenthalt bei uns zu Ende. Danke Euch allen für Eure Hilfe.
Über 800 Schüler aus den umliegenden Dörfern kommen zum Tag der offenen Tür an unserer Pflegeschule. Lehrkräfte und Studenten erzählen ihnen mit viel Engagement über den Krankenpflegeberuf und die Zukunftsperspektiven, die er bietet.
Baustellen jedweder Art gehören eigentlich fest zu Beit Emmaus dazu. So freuen wir uns im Mai darüber, dass wir durch großzügige Unterstützung verschiedener Organisationen und Einzelpersonen ein neues Lagerhaus gegenüber der Werkstatt bauen können. Dadurch wird es möglich, die vielen Vorräte – die „ältere“ Volontärsgeneration erinnert sich sicher noch an Sr. Lucis „Reich“ – auszulagern und den zweiten Stock unseres Haupthauses endlich vollständig auszubauen. So haben wir neben dem Nähzimmer nun einen sehr gemütlichen Gemeinschaftsraum für die Schwestern sowie vier Gästezimmer und einen gut isolierten Aufenthaltsraum für unsere behinderten Frauen.
Juni
Im Juni bekommen wir Besuch von Dr. Maria Haarmann, der für den Nahen Osten zuständigen Referentin des Hilfswerks Misereor, das unsere Pflegeschule unterstützt. Sie nimmt sich Zeit für ein ausführliches Gespräch mit unseren Studenten und ist beeindruckt von den großen Fortschritten der Schule und der Begeisterung, mit der die jungen Frauen und Männer ihr Studium angehen.
Ansonsten verläuft der Monat eher ruhiger. Am 30. Juni nehmen wir Abschied von unserer Volontärin Judith Kah. Danke für Deine Mitarbeit.
Juli
Ein halbes Jahr hat uns Sr. Rosemarie Ambichl CJ nicht nur tatkräftig auf Station geholfen, sondern auch regelmäßig das Abendessen für die Hausgemeinschaft vorbereitet. Sie verlässt uns im Juli. Auch Dir vielen Dank für Deine Hilfe.
Dafür freuen wir uns über unsere „neue alte“ Volontärin Blanca Velez aus Memmingen, die uns wieder für drei Monate unterstützt.
Zwei Wochen lang herrscht in Qubeibe und den umliegenden Dörfern eine fast gespenstische Stille auf den Straßen. Da die wenigsten Autos hier versichert sind und die palästinensische Polizei ebendiese beschlagnahmen will, verschwindet der größte Teil der Fahrzeuge auf mysteriöse Weise in Hinterhöfen und anderen Verstecken und taucht ebenso plötzlich nach Ende der Polizeiaktion wieder auf. Wer den hiesigen Fahrstil kennt, weiß, wie wir für unseren Teil die autofreie Zeit genossen haben.
August
Der August ist, wie jedes Jahr, der bewegteste Monat für unsere Hausgemeinschaft: Auf der einen Seite müssen wir uns von lieben Menschen verabschieden, die ein Jahr mit uns gelebt, gearbeitet und unsere Gemeinschaft bereichert haben. Dieses Mal sind es Tabea Kuhl und Jessica Walterscheid, von denen wir in Dankbarkeit Abschied nehmen. Gleichzeitig herrscht aber auch die Vorfreude über die „Neuen“: Die Volontärinnen Lisa Richter, Verena Gantner und Katharina Mendelin sowie unser neuer Zivi Florian Simon. Fast gleichzeitig kommen drei neue Pflegeschüler aus Mönchengladbach für ihr sechswöchiges Praktikum zu uns: Jessica Pedro Varalonga, Marcel Gehlau und Annette Dieckmann.
Einige Bewegung herrscht dieser Tage auch an unserer Pflegeschule: Von den unzähligen Bewerbern bestehen insgesamt 24 junge Frauen und Männer die Aufnahmeprüfung. 20 von ihnen beginnen Ende August mit dem Studium.

September
Mit Beginn des Fastenmonats Ramadan wird die Uhr in Palästina auf Winterzeit umgestellt. Bis die Israelis ihre Uhren einen Monat später auch eine Stunde zurückdrehen, sind Terminabsprachen schwierig. Ob Flughafenfahrt, Treffen in Jerusalem oder Bethlehem – immer kommt die Nachfrage: „Israelische oder palästinensische Zeit?“
Nach 13 Monaten verabschieden wir uns von unserem Zivi Niklas Rasche. Danke für alles, womit Du uns bereichert und geholfen hast.
Gleichzeitig freuen wir uns über zwei neue Gesichter in unserer Volontärsgemeinschaft: Manuel Spohn und Marion Pachmann.
Egal ob der Traktor, die Werkstatt, die Garagen oder das Dach – viele Dinge tragen die Handschrift von Benedikt „Bene“ Bittlmayer. Seit langem ist er den Salvatorianerinnen in Beit Emmaus und Nazareth ein treuer Freund und Unterstützer. So ist es uns eine sehr große Freude, dass wir Bene für einige Tage zu Gast haben können. Zehn Jahre hat er seine Frau gepflegt und konnte nicht mehr zu uns kommen. Und auch wenn sich Vieles in der Zwischenzeit verändert hat: Beim Treffen mit der Hausgemeinschaft und seinen alten Freunden Nasser, Abu Usama und Abu Rami scheint alles zu sein wie früher.
Oktober
Auf Grund des trockenen Winters im Vorjahr gibt es diesen Herbst kaum Oliven zu ernten. Das bedeutet zwar weniger Arbeit für unsere Männer. Doch steigt gleichzeitig der Preis für Olivenöl auch deutlich an.
Im Herbst gibt es einige Veränderungen bei uns, die sowohl unsere arabischen Mitarbeiter als auch die Familie unseres Hausmeisters Nasser betreffen: Sein Onkel Abu Muhammad beendet nach vielen Jahren seine Tätigkeit bei uns im Haus, um im Nachbardorf Qatanna eine Bäckerei und ein kleines Geschäft aufzumachen. Nassers Cousine Shirin, die bereits seit dem Frühjahr als Krankenschwester auf unserer Station arbeitet, unterrichtet nun auch einen Tag pro Woche in unserer Pflegeschule. Um das Abendessen in unserer Hausgemeinschaft kümmert sich seit Oktober Im Iyad, Nassers Ehefrau. Zudem freut sich die Familie Zahran, dass Fadi, der Bruder unseres Gärtners Muhammad und Neffe von Nasser, heiratet. Natürlich sind auch wir zu den Feierlichkeiten eingeladen.
Wie so oft hier in Palästina mischen sich unter die freudigen Ereignisse immer auch schlechte Nachrichten. So baut das israelische Militär einen neuen Checkpoint zwischen Biddu und Beit Iksa, das zwischen unseren Dörfern und Jerusalem liegt. Noch wissen wir nicht, wer in Zukunft diesen Checkpoint passieren darf und wer nicht. Im Moment jedoch können die Menschen aus Qubeibe und Umgebung nicht mehr nach Beit Iksa fahren. Und auch hier spüren wir die Auswirkungen in unserer Umgebung: Abu Muhammad kann seine Tochter, die mit ihrem Mann in Beit Iksa wohnt, bis auf Weiteres nicht mehr besuchen.
Ende Oktober kommt Sr. Agnes Absenger SDS aus Österreich nach Emmaus. Sie wird drei Monate als Sabbatzeit in unserer Gemeinschaft verbringen.
So geht ein weiteres Jahr in Beit Emmaus seinem Ende entgegen und wir freuen uns auf die besinnliche Adventszeit. So wünschen wir auch Ihnen und Euch gesegnete Weihnachten und eine gute Zeit bis zu den nächsten Emmaus-Wegen.
|