1106_erinnerungskultur

 

Kultur der guten Erinnerung

 

 

Die Erinnerung bringt mir zurück,

was ich längst verloren geglaubt.

Ich schwelge in meinen Erinnerungen,

träume mich zurück in schöne Zeiten,

finde viele abhanden gekommene Kostbarkeiten.

Und die schlechten Zeiten?

Da habe ich tatsächlich Erinnerungslücken.

 

Annegret Kronenberg


Wenn ich auf mein Leben blicke, waren da zu allen Zeiten Menschen, Begegnungen, Sternstunden: Da war meine Oma – eine einfache Frau, die mir jedoch zum Vorbild wurde. Da war der Heimatpfarrer – ein Begleiter durch viele Jahre, bis heute. Da waren Freunde – zur rechten Zeit die richtigen; mal Tröster, mal Beter, mal gute Kameraden. Da waren viele Kleinigkeiten – Freude, Ausgelassenheit, Zweifel, Trauer. Da war immer wieder ein Lichtstrahl, der mir die Liebe und Nähe Gottes aufleuchten ließ.

 

Geboren 1963, mit zwei Brüdern auf einem Bauernhof am Bodensee, in der Nähe von Ravensburg, aufgewachsen, ging man von klein auf zum Sonntagsgottesdienst.

 

Nach der Firmung kamen die Fragen – die Antworten suche ich bis heute. Mit 17, 18 Jahren aber begann ich, Gott in meinem Leben konkret zu suchen. Ich engagierte mich in der Pfarrei, bei Jungschar und Jugend. Dort lernte ich Menschen kennen, die mir von dem erzählten, was ihr Herz erfüllt – von Gott; die mich mitnahmen zu Gottesdiensten und Gebetskreisen, die mich annahmen, wie ich war, die ihr Leben mit mir teilten.

 

Geprägt von diesen Erfahrungen meiner Jugendzeit entschloss ich mich, der Gemeinschaft der Salvatorianerinnen in der österreichischen Provinz beizutreten. Diese Gemeinschaft war mir durch die Nähe zu einem Kolleg der Salvatorianer bekannt. Dort lebten Schwestern und versorgten die Patres. Da sich mein Heimatort im Dreiländereck Deutschland/ Österreich/ Schweiz, befindet, hatte ich viel Kontakt zu den Schwestern der österreichischen Provinz. Ihr Auftrag als universaler Orden, um das Heil aller Menschen bemüht zu sein und die Botschaft von IHM als einem liebenden und um die Menschen besorgten Gott zu verkünden, ließ mich nicht mehr los.

 

So wagte ich am 1. Februar 1991 den Sprung ins kalte Wasser. Ich zog nach Pitten, ins damals für mich ferne Niederösterreich und lebte zusammen mit jungen Frauen aus Europa, Indien und den Philippinen drei Jahre in der Ordensausbildung, Kandidatur und Noviziat. Leicht war es nicht, in dieser Unterschiedlichkeit und Vielfalt Leben zu gestalten. Aber da war auch die Erfahrung des Hineingenommen-Seins in eine Gemeinschaft, eine Lebensform, eine Beziehung. In den kleinen Dingen des Alltags begegnet man Gott und so gehe ich meinen Weg im Vertrauen auf IHN, der mein Weg, mein Licht, mein DU ist.

 

Nach der Ordensausbildung in Pitten und Wien schloss ich eine zweite Ausbildung als Pastoralassistentin ab und arbeitete die letzten 15 Jahre in Pfarreien in Wien und Niederösterreich. Eine Aufgabe, die mich immer erfüllt hat und die mir viel Freude machte.

 

Berufung möchte gelebt werden und meine Berufung ist es, vor den Menschen Zeugnis abzulegen dafür, dass Gott unter uns lebt.

 

Unser Ordensgründer, Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan, gründete im 19. Jahrhundert unsere Kongregation, um den Nöten der Zeit Antwort zu geben. Dieser Auftrag ist uns geblieben und motiviert auch mich immer wieder neu zu überdenken, wo meine Mitarbeit und Unterstützung gefragt ist.

 

So hat mich mein Weg im August 2010 nach Emmaus-Qubeibe geführt. Nach einem Sabbatjahr habe ich mich entschieden, zunächst für drei Jahre hier in der Gemeinschaft mitzuleben, mitzubeten und mitzuarbeiten.

 

Berufung will wachsen und reifen, bis wir den Mut bekommen, um den Schritt in Gottes Zukunft zu wagen.

 

Sr. Waltraud Mahle SDS

 

 

 

 

 

 

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