Emmaus-Chronik
Das Neueste aus der Emmaus-Gemeinschaft...
November
Die Olivenernte: Jedes Jahr wird sie mit sehr viel Vorfreude von unseren Zivis und Volontärinnen erwartet, mit großer Begeisterung begonnen – und nach vier bis fünf Wochen harter und eintöniger Arbeit werden die Stunden gezählt, bis man wohl endlich fertig ist. Dieses Jahr fällt die Ernte aufgrund des fehlenden Regens sehr mager aus.
Die Eucharistiefeier des Erntedankfestes beginnen wir im Olivenfeld. Wir danken Gott für die Früchte unseres Gartens, aber auch für all die anderen Dinge, mit denen wir in diesem Jahr reichlich beschenkt wurden. Zum Abendessen gibt es reichlich Käsespätzle von Sr. Waltraud, und wir lassen den Dank bei unserer Feier in die Nacht hinein weiterklingen.
Seit vielen Jahren gab es Verhandlungen zwischen dem DVHL und der Gemeinde Qubeibe über die Verbreiterung der Straße zwischen unserem Garten und dem Grundstück der Franziskaner, die den Menschen im Nordosten des Dorfes den Zugang zur Hauptstraße ermöglichen soll. Bisher waren die Verhandlungen immer am fehlenden Geld für dieses Projekt gescheitert.
Doch nun hat es endlich geklappt: USAID (die amerikanische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit) hat die Finanzierung der Bauarbeiten zugesagt, und so kann nicht nur der Weg verbreitert, sondern auch unser alter Eckturm umgesetzt werden. Die Straße wird am 8. November in Anwesenheit von Politikern und USAID-Verantwortlichen ihrer Bestimmung übergeben.
Wir heißen die beiden Pflegeschülerinnen Alina Kypke und Antonia Kundsdorfer von der Elisabethakademie herzlich in unserer Hausgemeinschaft willkommen.
Dezember
Wie alle Jahre gehen wir als Hausgemeinschaft einen intensiven Adventsweg, der uns auf Weihnachten vorbereitet: Wir haben einen Adventsengel, der uns mit kleinen Aufmerksamkeiten beschenkt, haben öfters eine Adventbesinnung und verbringen die Abende bei Tee und Spielen. Immer wieder gibt es auch die Möglichkeit, Sr. Waltraud bei der Weihnachtsbäckerei zu helfen.
Abschied müssen wir von Sr. Maya Verdonck SDS nehmen, die ihren dreimonatigen Noviziatseinsatz am 6. Dezember beendet.
Über die Feiertage ist Elisabeth van Eimern von der Elisabethakademie bei uns. Es ist Elisabeth ein Anliegen, die Einrichtung, in die sie Schüler zum Praktikum entsendet, auch persönlich kennen zu lernen.
Wir freuen uns, dass nach alter Tradition Ludger Bornemann über die Weihnachtsfeiertage bei uns ist. Auch dieses Jahr gehen wir während des Tages nach Bethlehem, um mit der Ortskirche die Geburt Jesu zu feiern. Nach einer schön gestalteten Christmette versammeln wir uns zu einem festlichen Mahl. Mit Spannung öffnen wir unsere Geschenke und raten, wer unser Adventsengel war. Eine besondere Überraschung ist das Hirtenspiel unserer Volontärinnen und Zivis.
Sehr freuen wir uns über unsere Besucher Robin und Johannes Kaupen, Ehemann und Sohn unserer Stationsleiterin Martina. Auch Sr. Waltraud bekommt Besuch von ihrer Freundin Christa Steiner.
An Silvester ist ein Großteil der Hausgemeinschaft in Jerusalem, um den Jahreswechsel mit Freunden zu feiern. Die Schwesterngemeinschaft und einige Volontärinnen verbringen diesen Abend eher ruhig und besinnlich: Fast zwei Stunden sind wir in der Kapelle und „[reden] über alles, was sich unterwegs [im vergangenen Jahr] ereignet [hat]“. (Lk 24,14) Diese Erinnerung und der intensive geistliche Austausch sind ein Dank an den mitgehenden Herrn, aber auch an jede Einzelne von uns. Nach der Gebetszeit gibt es ein festliches Mahl und wir feiern weiter bei Sekt und Kuchen.
Januar/ Jänner
Am 3. Jänner sind die Schwestern ins „Hotel Thoma“, zur Gemeinschaft der Borromäerinnen in Qubeibe, eingeladen. Das libanesische Mahl von Sr. Klara, wird von allen Gästen immer wieder sehr geschätzt.
Das Fest der Heiligen Familie feiern die Schwestern nachträglich mit der Gemeinschaft in Nazareth sowie den Mitschwestern aus Amman. Dabei werden auch die Jubiläen und runden Geburtstage begangen.
Februar
Nach vielen Monaten des Verhandelns mit der israelischen Armee erhalten wir die Erlaubnis, mit unseren Autos den Übergang zwischen Al-Jib und der Siedlung Giv’at Ze’ev zu benutzen. Das erspart uns auf den Fahrten von und nach Jerusalem den langen Umweg über den Checkpoint Qalandiya bei Ramallah. Auch Pilgerbusse auf dem Weg zu uns dürfen nach vorheriger Anmeldung den Übergang bei Al-Jib passieren. Diese Erleichterung ermöglicht es uns, wieder öfters am Abend das kulturelle Angebot in Jerusalem wahrzunehmen. Außerdem spricht sich die gute Nachricht bis nach Deutschland und Österreich herum. So bekommen wir schon im Februar wieder Besuch von vielen Pilgergruppen.
Nicht nur in Europa machen sich die steigenden Kupferpreise unangenehm bemerkbar. Auch hier in Palästina haben es findige Diebe auf Telefonleitungen abgesehen, die viel Kupfer enthalten. Wir bekommen die Folgen des Diebstahls zu spüren: Bis neue Leitungen verlegt werden, sind wir fast vier Wochen telefonisch nicht zu erreichen.
Franz Breher, „Franz von Steinbach“ genannt, ist für drei Wochen bei uns und überprüft wieder alle Leitungen und Maschinen. Danke, lieber Franz, für deinen jährlichen Arbeitsurlaub.
Außerdem freuen wir uns über den einwöchigen Besuch von Barbara Haslbeck und ihrer zweijährigen Tochter Agnes.
März
Karneval hat auch in Beit Emmaus Tradition. Dieses Jahr gibt es neben Damen mit Hut und Clownsnasen auch wandelnde Olivenbäume und einen selbsternannten König von Qubeibe.
Die Krankenpflegeschüler André Weber und Christiane Weßels von der Elisabethakademie sind für ihr sechswöchiges Praktikum bei uns.
Clara-Maria Eilers, eine Krankenschwester aus Freiburg, wird für zwei Monate der persönlichen Orientierung und Mitarbeit in unserer Hausgemeinschaft sein.
Unsere Zivis Florian Bittlmeyer, Frederik Mönkediek und Daniel Häger machen sich mit unserem Gärtner Muhammad Zahran auf in den Urlaub nach Jordanien. Vor allem für Muhammad ist diese Woche ein großes Erlebnis. Mit seinen 26 Jahren war er noch nie außerhalb der besetzten Gebiete.
In diesem Monat bekommen die Volontärinnen Besuch von ihren Familien und es ist für uns besonders schön diese kennen zu lernen.
Mabrûk Shirin Zahran! Unsere Krankenschwester feiert ihre Hochzeit, zu der auch die Hausgemeinschaft eingeladen ist.
Da es regnet, kann der traditionelle Aschermittwochsgottesdienst, zu dem P. Gregor Geiger eingeladen hat, nicht in der Wüste stattfinden. Die Feier wird in die Kirche Dominus Flevit am Ölberg verlegt. Ein Großteil der Hausgemeinschaft nimmt daran teil.
Auch in diesem Monat gibt es wieder viele Verwandtenbesuche. Ebenso schauen frühere Volontärinnen und Zivis in Emmaus vorbei.
Herzlich willkommen, Nathalie Jelen. Sie hat ihr Theologiestudium abgeschlossen und wird uns dreieinhalb Monate bei der Arbeit helfen.
April
Mit Volontärin Regina Albani bekommen wir im April für drei Monate tatkräftige Unterstützung in der Küche.
Außerdem freuen wir uns über den Besuch von Benedikt Bittlmeyer und seiner 45-köpfigen Pilgergruppe. „Bene“, wie er liebevoll von uns genannt wird, hat uns über Jahre in Beit Emmaus tatkräftig unterstützt. Auch andere Gruppen finden wieder den Weg zu uns.
Auf Ostern bereiten wir uns als Gemeinschaft und einzeln vor: Einige fasten, wir gestalten Gebetsstunden und beten an einem Abend mit P. Gregor in Jerusalem den Kreuzweg. Aber auch das Eierfärben gehört dazu.
Die Feier der Auferstehung beginnen wir traditionell in der Dunkelheit der Osternacht in unserem Garten mit einem Osterfeuer. Nach der Feier, an der auch eine Pilgergruppe aus Österreich teilnimmt, versammeln wir uns zum gemeinsamen Osterfrühstück.
Der Ostermontag – Emmaustag – ist leider nicht mehr das, was er früher einmal war. Vorbei sind die Zeiten, an denen über fünfzig Busse die Straße bis ins Nachbardorf säumten. In den letzten Jahren war es jeweils nur eine Handvoll Gruppen, die nach Emmaus kamen.
Auf eine Gruppe ist jedoch trotz der schwierigen politischen Lage durch die israelische Sperranlage immer Verlass: Am Vormittag bricht P. Gregor mit 130 Personen in Jerusalem auf, um nach einer fünfstündigen Wanderung bei uns einzutreffen. Zwischenzeitig sieht es noch so aus, als würden es die Wanderer dieses Jahr nicht schaffen, da man sie am Checkpoint Ras Biddu zunächst nicht passieren lassen will. Doch nach einer Vermittlung durch Sr. Hildegard sowie einige Telefonate erreichen die Pilger schließlich doch noch ihr Ziel. Und so lässt die Freude über die Ankunft in Emmaus auch alle Strapazen vergessen. Mit allen Pilgern versammeln wir uns schließlich zu einer großen Eucharistiefeier in unserem Garten.

Durch die kräftige Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau und weiterer Wohltäter können wir mit dem Bau eines Sportplatzes für unsere Pflegeschule beginnen. Bevor die Arbeiten beginnen, müssen jedoch einige Olivenbäume umgepflanzt werden. Damit sie wieder gut anwachsen, müssen sie in den ersten Wochen mit viel Wasser versorgt werden.
Einen ereignisreichen Monat lassen wir am 30. April mit einer deutschen/österreichischen Tradition ausklingen, die hier in Palästina (noch) unbekannt ist: mit dem Aufstellen eines Maibaums. Wochenlang kümmern sich unsere Zivis und Volontärinnen liebevoll um die Gestaltung: er wird geschält, imprägniert, gestrichen, verziert und immer wieder bewundert. Das Projekt hat sich in den deutschsprachigen Einrichtungen herumgesprochen und so kommen über zwanzig junge Leute, um mit P. Gregor und unserer Gemeinschaft das Aufstellen des Maibaums zu feiern.
Und mit einem Bild des prachtvollen Maibaums – des vermutlich ersten Vertreters seiner Art in Palästina – schließt auch diese Emmaus-Chronik. Wir wünschen Euch und Ihnen allen einen erholsamen Sommer und freuen uns auf ein Wiedersehen in Beit Emmaus.
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