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Auf welchen Wegen ich auch gehe...

 

Nachdem im Januar die Dienstzeit von Judith Simons zu Ende ging, ist im Oktober ihre Nachfolgerin Martina Kaupen angekommen. Schon vor ihrer Ankunft hat sie sich vorgestellt.

 

„Gleich, wo ich bin, auf welchen Wegen ich auch gehe; ich darf darauf vertrauen, dass ich gehalten werde. Geborgen ist mein Leben bei Gott; er hält seine Hand schützend über mir.“ – Dieser Spruch, den ich in der Bibliothek der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede entdeckt habe, beschreibt ganz gut die Gedanken, die mir in den letzten Tagen und Wochen durch den Kopf gegangen sind. Noch einige Tage wohne ich im Sauerland und werde dann für drei Jahre die Stationsleitung in Beit Emmaus übernehmen. Ich bin noch hier, aber nicht mehr ganz – und ich bin noch nicht dort, aber meine Gedanken schon.

 

Ich möchte mich kurz vorstellen und freue mich, euch alle bald zu treffen und kennen zu lernen. Mein Name ist Martina, ich bin 50 Jahre alt, verheiratet und habe einen erwachsenen Sohn. Ich bin gelernte Krankenschwester und habe zuletzt in einem Hospiz in Dortmund gearbeitet. Auf der Suche nach beruflicher Veränderung und dem Wunsch für einige Zeit im Ausland zu arbeiten, las ich zufällig die Stellenausschreibung für Beit Emmaus. Nach einigen Überlegungen mit meinem Ehemann Robin und mit meinem Sohn Johannes entschied ich mich dazu, für drei Jahre nach Palästina zu gehen. Eine berufliche und auch persönliche Herausforderung!

Neben der Kranken- und Altenpflege sowie der Begleitung sterbender Menschen ist das Wandern, das Unterwegssein ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Wandern kann wandeln. – Vielleicht bin ich deshalb so gerne in der Natur: weil ich es mag, wenn sich etwas wandelt. Wenn sich etwas verändert, wenn ich mich auch verändere.

Jedes Wandeln, jeder Aufbruch macht aber zuerst auch Angst. Altes, Vertrautes muss abgebrochen werden. Und während ich abbreche, weiß ich noch nicht, was auf mich zukommt. Aber in jedem Aufbruch steckt auch die Ahnung von etwas Neuem, nie da Gewesenem.

Vor vielen Jahren sagte meine Mutter zum Abschied zu mir: „Geh mit Gott, aber geh!“ – Was für ein schöner Abschiedsgruß. Damals ging ich für einige Zeit nach Israel, um in einem Kibbuz zu arbeiten – mein ers-ter Kontakt mit dem Heiligen Land.

Es vergingen viele Jahre, bis ich diesen Abschiedsgruß meiner Mutter richtig verstanden und lieben gelernt habe; ich machte meine eigenen Erfahrungen mit dem Leben. Einen Menschen, den man liebt, gehen zu lassen, zu wissen, dass Gott seine schützende Hand über ihn hält und ihn auf allen Wegen und Umwegen begleitet, ist ein wichtiger Schritt im Leben. Dafür bedarf es Vertrauen – auf den anderen und auf Gott. Gerade während meiner letzten Tätigkeit, der Arbeit in einem Hospiz, habe ich dieses Vertrauen, aber auch das Abschiednehmen in vielfältiger Weise erfahren.

 

„Schöpfe aus dem Alten, hab Mut für das Neue.“ – Dieser Text auf einer der vielen Verabschiedungskarten, die ich anlässlich meiner bevorstehenden Ausreise erhalten habe, hat mich besonders beeindruckt. – Ja, ich schaue dankbar auf das zurück, was ich von Familie, Lehrern und Freunden empfangen und gelernt habe. Ich bin dankbar für meinen Sohn Johannes und meinen Mann Robin, die mich vertrauensvoll unterstützen und mir meine Heimat in Arnsberg erhalten. Ja, ich habe Mut und freue mich auf das Neue, auf Beit Emmaus, auf die gesamte Hausgemeinschaft und die Zusammenarbeit mit Sr. Hildegard, die mich schon in meiner Vorbereitungszeit vertrauensvoll begleitet hat. Danke dafür!

Ich freue mich auf meine neue Arbeit, auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen, auf das Land und auf die Menschen, auf viele spannende Begegnungen, auf das leckere Essen – und bei den derzeit gefühlten Minustemperaturen hier im Sauerland auch auf die Sonne.

„Gleich, auf welchen Wegen ich auch gehe...“ – Dieses Vertrauen auf Gott heißt für mich, achtsam meinen Weg zu gehen, begleitet und beschützt, und auch entgegen anderer Meinungen dem Ruf zu folgen. In diesem Sinne heißt es bei Novalis: „Wohin denn gehen wir? Immer nach Hause!“

Bis bald in Beit Emmaus!

 

– Martina Kaupen (Arnsberg/Nordrhein-Westfalen)
Stationsleiterin

 

 

 

 

 

 

 

 

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