Was ist neu in der Pflege?
Fünf Uhr morgens: Nicht nur im Garten, sondern auch auf Station erwacht langsam alles zum Leben. Warda kommt aus ihrem Zimmer und begrüßt erst einmal alle mit einem kräftigen „Sabâh al-khêr!“ (Guten Morgen). Dank dieses Weckrufs muss sich unser Zivi Florian, dessen Zimmer über der Station liegt, auch keinen Wecker mehr stellen.

Da Warda in letzter Zeit ein wenig Gewicht zugelegt hat, fallen ihr die täglichen Runden im Garten etwas schwerer als früher. Ihre Freundin Na’ma (1), die meistens kurz nach ihr im Salon erscheint, hat damit keine Probleme. Sie erzählt uns immer sehr stolz, dass sie heute wieder ‘ashara, also zehn, Runden durch den Garten laufen will. Danach kümmert sie sich voller Tatendrang um ihre Zimmernachbarinnen Tamani und Na’ma (2). Meistens erscheint ein wenig später auch einer unserer „Neuzugänge“: Bothaina kehrte, nachdem sie bereits letztes Jahr kurz bei uns war, dauerhaft zu uns zurück. Nachdem sie sich hier gut eingelebt hat, freuen wir uns immer, wenn sie lacht oder anfängt zu erzählen. Sie verbringt nach wie vor ihre Zeit sehr gerne im Badezimmer. Doch glücklicherweise hat sie sich das Duschen mit Kleidung abgewöhnt.
Alice hat gerade ihre Hochgebetsphase. Sie ist sehr aufgeweckt, lädt alle zum Beten ein, erfreut uns mit allerlei Geschichten aus ihrem Leben und liest auch gerne mal aus der Bibel vor. Da diese in Blindenschrift gedruckt ist, kann selbst das Ausschalten des Lichts Alice nicht von der nächtlichen Lektüre abhalten.
Linda ist nun schon fast ein Jahr bei uns und erfreut sich – wie auch Im Samir und Shafiqa – besonders an unserem männlichen Personal. Stella geht es auch soweit gut – wenn sie nicht gerade Angst hat, aus ihrem Bett zu fallen.
Najiwa, eine leicht verwirrte, aber sehr liebevolle Frau, ist seit ein paar Monaten bei uns. Sie hat sich mittlerweile relativ gut eingelebt. Sie versteckt gerne mal Sachen von den anderen old ladies unter ihrem Kopfkissen oder verwechselt hin und wieder die Teekanne mit dem Nachttopf.
Anfang März kam Rifqa zu uns. Seitdem sah man auch ihre Familienangehörigen fast täglich auf Station. Meistens dachten sie auch an das Pflegepersonal und die anderen habibtis und versorgten uns mit allerlei Köstlichkeiten. Allerdings verließ uns Rifqa schon wenig später, da ihr Sohn sie mit nach Amerika nahm, wo es eine bessere medizinische Versorgung als hier in Palästina gibt.

Sitt Salwa, unsere deutschsprechende Prinzessin, erlebte unlängst eine ganz besondere Überraschung: Ihr ehemaliger Chor kam zu uns und gab ein wunderschönes Konzert im Salon.
Ghaliyya wünscht uns Volontärinnen immer wieder, dass wir gute Ehemänner finden. Außerdem versteht sie sich sehr gut mit unseren behinderten Frauen und unterhält sich gerne mit Salwa auf der Veranda. Salwa hilft, zusammen mit Nisrin und Maysun, nach wie vor gerne in der Küche aus.
Da es Im Amina in den letzten Wochen körperlich nicht gut ging, verbrachten sie und ihre Tochter Amina die meiste Zeit unter sich. Im Amina musste so leider auf ihre Einkaufstouren ins Dorf verzichten. Dafür erhielt sie aber regen Besuch von ihren Verwandten, die sie mit allerlei Essen versorgten. Außerdem kümmerte sich Amina, so gut sie konnte, sehr liebevoll um ihre Mutter. Mittlerweile geht es ihr glücklicherweise wieder besser.
Ihre Zimmernachbarin Noël schaut auch öfters vorbei. Letztens konnte sie auch wieder einmal das Essen im American Colony Hotel genießen und sie freut sich auch immer über T-Shirts und sonstige Geschenke.
Und so sind nach und nach alle habibtis wach und kommen zum Frühstück. Ein neuer Tag auf Station beginnt.
– Verena Gantner
Volontärin in Beit Emmaus
|