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Endstation Herzl-Berg
In Jerusalem fährt jetzt die erste Straßenbahn Israels
Jahre sind über Planungs- und Bauarbeiten ins Land gegangen, ehe in Jerusalem die erste Straßenbahn ihren Betrieb aufnahm. Die Auswirkungen des Nahost-Konfliktes wie auch die Widerstände ultraorthodoxer Jerusalemer Juden verzögerten die Arbeiten. So schnell ist zudem die Angst vor Anschlägen nicht zu beseitigen. Jetzt, im Herbst 2011, ist es soweit, was kaum noch einer für möglich gehalten hat: Ruhig und fast geräuschlos fahren die silberfarbenen Waggons an der Stadtmauer der Altstadt vorbei. Die Fahrt beginnt in Pisgat Zeew, einem weit entfernten jüdischen Viertel, vorbei am Fuß des Scopushügels, entlang der Mauer, dann durch die Neustadt bis hin zum Herzlberg. 14 Kilometer lang ist die Strecke. Die Gedenkstätte Yad Vashem oder das Hadassah Krankenhaus sind jetzt per Bahn erreichbar. Wo sich bislang Autos und Busse durch den stinkenden Verkehr quälten, könnte die Straßenbahn Entlastung bringen. 
Ein anderes Problem verzögerte die Inbetriebnahme: Wer in Jerusalem Straßen aufreißt, um Schienen zu verlegen, stößt allenthalben auf historisches Gemäuer. Dann kommen die Denkmalschützer und nichts geht mehr. Besonders drastisch zeigte sich das im Abschnitt zwischen Damaskus-Tor, Notre-Dame Hotel und dem Sitz des Jerusalemer Bürgermeisters. Aufgerissen lag die viel befahrene Straße, bis endlich die gesicherten antiken Ruinen vermessen, erforscht und schließlich die Dauerbaustelle wieder zugeschüttet wurde. Zeitweise war sogar daran gedacht, das ganze Straßenbahn-Projekt aufzugeben.
Jetzt also fährt seit September/Oktober 2011 die Bahn. Es ist ein besonderes Erlebnis, mit ihr Jerusalem kennen zu lernen. Hell und luftig wirken die Doppelwaggons. Fast 500 Passagiere können jeweils transportiert werden. Viel Glas macht eine Rundumsicht möglich. Unzählige Verkehrsampeln sind auf den neuen Betrieb umgestellt, denn bei einigen Streckenabschnitten gibt es keinen eigenen „Bahnkörper". Wohltuend für unsere Ohren sind die Gongzeichen, mit denen der Fahrer der Bahn im Straßenverkehr auf das neue Vehikel aufmerksam macht. Auf Hebräisch, Arabisch und Englisch kündigt eine Lautsprecherstimme die jeweiligen Haltestellen an. Und das Besondere: Den Bewohnern Jerusalems, Juden wie Arabern, soll die Straßenbahn schmackhaft gemacht werden. So heißt es seit der Inbetriebnahme seit Wochen "Freie Fahrt". Im besten Sinn des Wortes. Kostenlos ist die Tour durch Jerusalem. Vorerst jedenfalls. Wir haben sie beim letzten Besuch genossen, diese besondere Sightseeing-Tour durch Jerusalems Stadtviertel...
von Erich Läufer
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