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"Es riecht so schön nach Weihrauch..."

Über die antike Weihrauchstraße kam der süße Duft ins Abendland

 

Ein bekennender Atheist meinte in der Talk-Show "Hart aber fair", als über Glaube und Religion diskutiert wurde: "Wenn ich schon einmal in eine Kirche gehe, dann immer in eine katholische. Dort riecht es so schön nach Weihrauch." Tatsächlich? Und warum?

Werden geeignete Harze auf glühende Kohlen gestreut, steigen in einer Rauchwolke Düfte auf. Weihrauch bezeichnet einmal ein brennbares weißliches, gelbes oder graues Harz. Es wird von Blättern der Boswellia-Bäume ausgeschieden oder aus den angeritzten Baumstämmen gewonnen. Zum anderen ist der aromatische Duft gemeint. Weihrauchbäume wachsen in Südarabien, im Jemen und auch in Indien. In den alten Mittelmeerkulturen war das Bedürfnis nach Duft weit verbreitet. Auf der Weihrauchstraße vom südlichen Arabien aus und durch den Jemen (Arabia felix) florierte der Handel bis nach Rom.

 

Besonders beim Totenkult wurde Weihrauch verwendet zur Vertreibung des Verwesungsgeruches. Er wurde aber auch zum Ausdruck der Ehrung und als Teil des Hofzeremoniells bei feierlichen Anlässen gebraucht. Zudem ehrte das "Rauchopfer" in den altorientalischen Tempelkulten die Götter. Der aufsteigende Geruch sollte sie in ihrem Zorn auf Menschen besänftigen. Im Buch der Makkabäer wird darüber gespottet: "Vor den Haustüren und auf den Plätzen wurde Weihrauch geopfert."

 

Weihrauch gehörte in vielfältiger Form zum Tempelgottesdienst des Volkes Israel. Im Volk wird unter den Duftstoffen neben der Räucherklaue, der Myrrhe, dem Galbanum (ein Gummibaumharz aus einem stark riechenden Doldengewächs) auch der reine Weihrauch aufgeführt. Weihrauch und Salböl erfreuten das Herz der Menschen, wie es einmal heißt. Weihrauch war zudem ein Bestandteil des Salböls. Unter den Israeliten war es nur Priestern erlaubt, Weihrauch zu opfern. Leviten durften beim Speiseopfer Weihrauch auflegen. Die Anweisungen an Aaron, die Gott Mose gab, enthalten strenge Regeln für den Gebrauch von Weihrauch im Heiligtum sowohl beim Rauchopfer und während des sogenannten Speiseopfers. Seine Verwendung beim Sühnopfer oder beim Eifersuchtsopfer wird ausdrücklich verboten. Weihrauch wurde auch auf die Schaubrote des Tempels gelegt.

 

Größte Bedeutung gewann der Weihrauch im antiken Herrscherkult. Das Auflegen von Weihrauch wurde zum Bekenntnis zur Staatsreligion und der gottähnlichen Verehrung der Kaiser. In den frühen Christenvefolgungen, besonders unter den römischen Kaisern Diokletian und Decius wird die Verweigerung des Weihrauchauflegens für die römischen Götter und gottähnlichen Kaiser als Staatsverrat bestraft.

 

Das frühe Christentum kennt durch seine Judenchristen die Symbolik des Weihrauchs als Aufsteigen des Gebetes: "Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet empor." (Psalm 141,2). Die Gabe des Weihrauchs, die von den Weisen aus dem Morgenland dem Christuskind gebracht werden, dürfen als Anspielung auf sein Priestertum verstanden werden.

 

Etwa seit dem 4. Jahrhundert werden bei christlichen Gottesdiensten große Räucherpfannen aufgestellt zur Luftverbesserung, zur Erfrischung und als Ausdruck der Festesfreude. Immer mehr wurde der Weihrauch dann Bestandteil der sich formenden Liturgie: beim feierlichen Einzug des Papstes oder auch in der Beräucherung des Altares und des Kreuzes als ehrende Begrüßung Christi. Die Beräucherung der Opfergaben sondert sie zeichenhaft und bildlich aus dem Alltagsbereich aus. Im feierlichen Hochamt hüllt der Diakon das Evangelienbuch in die Duftwolke des Weihrauchs als Ehrung der Christusworte und als Sinnbild für den Duft der Lehre, der zu den Gläubigen strömt. Zudem erinnert die Weihrauchwolke auch an das biblische Symbol einer Wolke für die Anwesenheit Gottes unter den Menschen. Schließlich beschreibt die Offenbarung des Johannes den himmlischen Kult: "Und ein anderer Engel kam und trat mit einer goldenen Räucherpfanne vor den Altar; ihm wurde viel Weihrauch gegeben ... Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor." (Off 8,3)

 

Nach der Neuordnung der Liturgie gab es anfänglich eine aufklärerische Scheu, weiterhin Weihrauch zu verwenden. Die gutgemeinte Kargheit geriet zur kargen Dürre. Sie ist inzwischen vielerorts einem sachgemäßen Gebrauch gewichen, wenn man die Liturgie als ein "Gesamtkunstwerk" mit alter Tradition, also auch mit dem Weihrauch betrachtet.

Bildzeilen

Weihrauch steigt aus einem alten jemenitischen Steingefäß auf.

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Echte harzige Weihrauchbrocken aus Doha (Südarabien) , honigfarbene Weihrauchkörner aus dem Jemen und feinster schneeweißer Weihrauch für Gottesdienste in der Jerusalemer Grabeskirche.

 

von Erich Läufer

Fotos: Läufer

 

 

 

 

 

 

 

 

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