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„Für immer ein Teil meiner Identität“
125 Jahre Schmidt Schule in Jerusalem
Die Mädchen tragen die typische palästinensische Tracht: lange Kleider, wundervoll bestickt, in den nationalen Farben rot-grün-schwarz. Das Publikum belohnt mit begeistertem Applaus die Darbietung der Mädchen: Ein Loblied auf Palästina. Die Aufführung ist der Auftakt des Festwochenendes zum 125 jährigen Jubiläum der Schmidt-Schule.
Die 40 Mädchen des Schulchors haben mit ihren Darbietungen das gesamte Jubiläums-Wochenende begleitet, das mit einem palästinensischen Abend am 2. Dezember begann. Ein Abend, der den Anwesenden, im Besonderen den anwesenden Deutschen, die Kultur Palästinas ein klein wenig näher bringen sollte. Unter der Leitung von Ellen Khashram, der palästinensischen stellvertretenden Direktorin und selbst ehemalige Schülerin, gelang es den Schülerinnen, das gesamte Publikum in den Bann palästinensischer Trachten, Kochkünste, Hochzeitszeremonien und Lieder zu ziehen. Den Abschluss und wohl auch den Höhepunkt dieses Abends bildete eine Modenschau, die die Trachten der verschiedenen Regionen Palästinas zeigte. Die festlichen tob fallahi (nationalen Trachten) leuchteten in bunten, kräftigen Farben, während die Mädchen am Publikum vorbei tanzten. Dieser vielfältige Abend voller Ideenreichtum und palästinensischer Pracht stimmte alle Schülerinnen, Lehrer, Eltern und Gäste bestens auf das anstehende Wochenende ein.
Am Samstag folgte ein palästinensischer Bazar, bei dem sich die Klassen der Schule mit verschiedenen Aktivitäten vorstellten. Einige Schülerinnen hatten mit den unterschiedlichsten Basteleien ihre eigene Welt und Fantasiewelten dargestellt, andere tanzten zu arabischer Musik in selbstgenähten, mittelalterlichen Kostümen durch die Gänge der Schule und auch wissenschaftliche Projekte und der Buchclub stellten sich vor. Eine Klasse bemalte die Gesichter der Anwesenden fantasievoll und setzte ihnen selbst gebastelte Kronen auf. Im zweiten Stock hatten die Schülerinnen ein "deutsches Foto" vorbereitet: Sie haben aus Pappmaché einen Mann und eine Frau in bayrischer Tracht gebastelt. Hinter diese gestellt, lichteten die Schülerinnen jeden ab, der bereit war, den Figuren sein Gesicht zu leihen.
In den Gängen traf man nicht nur auf die heutigen Schülerinnen. Unter die Besucher hatte sich auch Beatrice Habesch gemischt. Sie ist die älteste, noch lebende Absolventin der Schule. Sie beendete ihre Schulausbildung an der Schmidt-Schule im Jahre 1947. Verzaubert erzählt sie von einer verhältnismäßig friedlichen Zeit und den Möglichkeiten, die ihr die Schule damals geboten hat. Auf die Frage, was ihr am meisten gefiel, lacht sie: „Alles“. Sie spricht mit bewegter Stimme über die deutschen Schwestern und Lehrer. Sie erwähnt immer wieder wie sehr ihr die Ausbildung an der Schmidt-Schule in den schweren Jahren nach der Staatsgründung Israels dabei geholfen hat, den Druckereibetrieb ihres Vaters mit zu führen.
Während auf den Gängen der Schule reges Treiben herrschte, fand auch dem Sportplatz, sehr deutsch und sehr palästinensisch, ein Fußballspiel statt. Und wer Hunger hatte, konnte sich auf dem Schulhof an selbst gebackenem Kuchen und frischem Kaffe laben. In der Aula führte eine Klasse eine griechische Tragödie auf und zeigte die selbst genähten Kostüme.
Dieser Darbietung folgte eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „Die Schmidt-Schule im globalen Dorf durch 125 Jahre - Gestern, Heute, Morgen“. An dieser nahmen Patriarch em. Michel Sabbah, der derzeitige Schulleiter Dr. Klaus Schmitz, Schwester Frances Orchard CJ von der Leitung der Congregatio Jesu aus Rom für den Schulträger, Schwester Xaveria Jelitzka SMCB von den Borromäerinnen, die früheren Schulträgerinnen, Ellen Khashram, George Sahhar, der Vorsitzende des Elternbeirates, sowie die ehemalige Schülerin Dr. Jeanne Kattan und die heutige Schülerin Nadine Jaghi teil. Gespannt lauschten die Anwesenden, wie die Teilnehmer über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Schule und ihre Hoffnungen diskutierten.
In einem späteren Gespräch waren sich die ehemalige Schülerin Dr. Jeanne Kattan und die heutige Schülerin Nadine Jaghi einig, dass die eindruckvollste Charaktereigenschaft der Schule die besondere Bildungskultur ist. „Die Lehrer geben so viele Informationen an uns weiter und begeistern uns - mich besonders fürs Lesen. Die Schule wird für immer ein Teil meiner Identität sein“, erzählt Nadine. Das Wichtigste, was sie hier an der Schmidt-Schule gelernt haben und lernen, ist „die Liebe zum Lernen und dass es keine Grenzen gibt“, so Dr. Kattan. „Man lernt, dass wenn man menschlich bleibt und jeden annimmt wie er ist, man viel erreichen kann.“ Die 125 Jahre beeindrucken die beiden Frauen sehr und Nadine erklärt, dass das Alter der Schule Hoffnung gäbe: „die Schule erklärt dir „Ja, man soll Beschränkungen nicht akzeptieren“.
Später, zum Abschluss des Tages, versammelten sich nochmals alle Schülerinnen, Lehrer, Eltern und Gäste zu einer wunderschönen Darbietung des Chores in der Kapelle. Mit ihren besinnlichen und festlichen Liedern stimmten die Mädchen die Anwesenden auf den offiziellen Teil der Feier am Sonntag ein.
Die Feierlichkeiten des Sonntages wurden mit einer Dankesmesse eröffnet, die vom Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Msgr. Fuad Twal, geleitet wurde. Der Messe folgte die offizielle Feier, in der die verschiedenen Würdenträger, unter ihnen die ehemalige Schülerin und heutige Bildungsministerin Lamis al-Alami, ihre Glückwünsche und Danksagungen vortrugen. Begleitet wurden sie wiederum vom Chor der Schülerinnen. Neben der deutschen und palästinensischen Nationalhymne erklangen Medleys von Musicals sowie deutsche und arabische Volkslieder. Am Ende der offiziellen Feierlichkeiten sorgte die Vereinigung der Alumnae für eine Überraschung: Sie überreichen Schulleiter Dr. Schmitz eine Auszeichnung für seinen Einsatz für die Schule. Sichtlich gerührt nahm dieser die Auszeichnung entgegen.
Im Anschluss lud Schwester Heidrun Raabe CJ die Gäste zum Empfang ins Paulus-Haus ein. Dort warteten schon Speis und Trank sowie ein riesiger Geburtstagskuchen, der von Patriarch Twal angeschnitten wurde. Mit diesem geselligen Beisammensein endete das Jubiläumswochenende der Schmidt-Schule.
Die Festlichkeiten haben gezeigt, dass die Schule auf eine reiche Geschichte mit vielen starken Persönlichkeiten zurückblicken kann. Sie ist eine Brücke, die Vergangenheit und Zukunft verbindet und, so Gott will, mit Hilfe der Unterstützung der Mitglieder des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, auch in den nächsten 125 Jahren einen einzigartigen Beitrag zur Ausbildung palästinensischer Frauen leisten wird.
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