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Neue Hoffnung für Christen im OrientBericht über die Bischofssynode für den Mittleren Ostenvon Dr. Rudolf SolzbacherAls der Heilige Vater in den vergangenen Jahren bei seinen Besuchen in der Türkei , Jordanien, Israel, und Palästina mit der besonderen Situation der Christen im Orient konfrontiert wurde, war ihm längst klar, dass sich die Kirche in diesem Teil der Welt an einem „historischen Kreuzweg“ befindet. Es war folgerichtig, aber dennoch ein spektakulärer Schritt, als er nach einem Treffen mit den Patriarchen der katholischen Ostkirchen die Einberufung einer „regionalen Bischofssynode für den Mittleren Osten“ bekanntgab, die vom 10. bis 24.Oktober im Vatikan stattgefunden hat. Nie zuvor hatten sich die Bischöfe dieser Weltregion gemeinsam mit dem Papst und mit den Vertretern der Weltkirche zu Beratungen über die vielfältigen Probleme der Kirche und der Gläubigen dieser Region getroffen.
Im Januar 2010 schickte die Vorbereitungskommission aus dem römischen Synodensekretariat ein vorbereitendes Papier (lineamenta) an alle Ortskir Aus den zahlreichen Antworten und Kommentaren auf die Fragen und Analysen der lineamenta wurde in wenigen Monaten das eigentliche Arbeitsinstrument (instrumentum laboris) der Synode kondensiert: Benedikt XVI. überreichte es zum Abschluss seiner Zypernreise am Fronleichnamsfest in Nikosia den Bischöfen des Nahen Ostens. In seiner Ansprache zu diesem Anlass skizzierte er die Spannbreite der anstehenden Arbeiten und erinnerte daran, dass die Sondersynode auch eine hervorragende Gelegenheit für die Christen der ganzen Welt sein werde, ihren Brüdern und Schwestern im Nahen Osten geistige Hilfe und Solidarität anzubieten, und zugleich die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf dauerhafte Lösungen für die Konflikte im Nahen Osten –vor allem im Heiligen Land– zu lenken, unter denen die Christen ja besonders leiden.
Am Sonntag, 14. Oktober, gibt der Einzug der Synodenväter in den Petersdom ein buntes, beeindruckendes Bild, bunter sicherlich noch als zu Beginn des II. Vatikanums. Die Mehrzahl der 177 konzelebrierenden Synodenbischöfe, darunter 9 Patriarchen und 19 Kardinäle, trägt die liturgischen Gewänder ihrer jeweiligen Familie. Auch die Ohren werden von den Klängen arabischer und griechischer Gesänge und der Fürbitt-Gebete in Farsi, Türkisch und Hebräisch auf den regionalen Fokus der kommenden Tage eingestimmt. Es handelt sich in der Tat um ein Familientreffen: sieben katholische Familien sind hier zusammengekommen, neben den lateinischen Vätern die ägyptischen Kopten, dann die vor allem in Syrien, Libanon und Obergaliläa verbreiteten Melkiten, die Maroniten, welche die Mehrheit der Katholiken im Libanon stellen, die Christen des syrisch-katholischen Ritus (v.a. in Syrien und im Libanon), die chaldäischen Katholiken aus Ostsyrien und dem Irak sowie die armenischen Katholiken.
Zu den Abstimmungen und Voten während der Synode sowie den Wahlen zu verschiedenen Kommissionen wird dann auch familienweise aufgerufen. Die meisten Bischöfe stellt die Familie der Maroniten auf der Synode mit 29, gefolgt von den Melkiten mit 24. Weiter sind 19 Chaldäer, 17 lateinische, je 13 koptische und armenische Bischöfe präsent. Das Familien-Bild wäre unvollständig ohne die zahlreichen Vertreter der Kurieneinrichtungen, Vertreter kontinentaler und regionaler Bischofskonferenzen und Länder aus dem Westen, Süden und Fernen Osten, Generalsuperioren und –innen der im Orient ansässigen und vertretenen Ordensgemeinschaften, Experten und Beobachter. Insgesamt sind 184 Bischöfe anwesend, und zusammen mit den Experten, den Auditoren und dem Stab des Synodensekretariats nehmen etwa 330 Personen regelmäßig an den Synodensitzungen teil.
Der geographische Zielbereich dieser Synode ist gewissermaßen willkürlich. Was bei uns Nahost heißt, ist hier im Titel unter „Mittlerer Osten“ zusammengefasst. Im Arbeitsinstrument heißt es unter 1: „…Länder des Mittleren Ostens, der sich von Ägypten bis zum Iran erstreckt…“, und dies wird auch verschiedentlich kritisiert. Die geographische Beschreibung wird als unpassend und unpräzise empfunden; prompt ist sie in der Schlussbotschaft durch eine Aufzählung aller von der Synode betroffenen Länder ersetzt: Ägypten, Bahrain, Irak, Iran, Israel, Jemen, Jordanien, Kuwait, Libanon, Palästina, Syrien, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Zypern. Manche der genannten Länder waren im Vorfeld der Synode gar nicht im Blickfeld der Medienöffentlichkeit. Aber gerade Themen, die vor allem sie betreffen, kommen während der Synode neu auf den Tisch: so etwa die desolate Situation der asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter in den Golfstaaten, die zahlenmäßig fast 50% der mittelöstlichen Christen ausmachen. Sie werden von nur zwei Apostolischen Vikaren betreut, da es in diesen Ländern bislang nicht zur Gründung der normalen Kirchenstrukturen wie Diözesen bzw. Eparchien kommt, vor allem aus politischen Gründen. Vielfach sind dort Christen nur gerade eben geduldet. Bestimmend ist auch das aktuelle politische Umfeld: allem voran der Palästinakonflikt, dann die Situation im Irak und dessen -zumal christlichen- Flüchtlingen in den Nachbarländern. Auch die labile politische Situation im Libanon spielt eine Rolle. Der Libanon führt in vieler Hinsicht unter den Themen der Synode ein Eigenleben; von den vielen Wortbeiträgen der Bischöfe zu unterschiedlichen Aspekten des Arbeitsinstruments sind es vor allem die libanesischen, die den Blick über den Landeshorizont etwas vermissen lassen. Das mag auch daran liegen, dass sich die libanesischen Christen immer noch als Mehrheit im eigenen Land verstehen und mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein in Fragen der Gestaltung ihres Landes auftreten als ihre christlichen Nachbarn.
Das Geistliche Ereignis Die Synode ist aber in erster Linie ein Geistliches Ereignis und ein Geistlicher Prozess: alle Einzelthemen und Beobachtungen konvergieren zu diesem spirituellen Ende. Gebet, Anrufung des Hl. Geistes, Meditation und Predigt standen im Zentrum der Synode. Auch die Schlussbotschaft ist keine politische, sondern eine geistliche, eine der Hirten der Mittelost-Länder an ihre Gläubigen. Denn das Ziel dieser ersten Synode für den Mittleren Osten war und ist vor allem, die Kirchen dort und ihre Gläubigen in ihrem Glauben zu bestärken, ihre Gemeinschaft untereinander zu fördern und ihren missionarischen Geist aus der apostolischen Zeit wiederzuerwecken. Damit spricht die Hierarchie vor allem die Laien an, denen angesichts der zahlreichen Probleme im Mittelosten Mut und Zuversicht zugesprochen wird: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ (Lk 12,32), rufen die Synodenväter einander und ihren Gläubigen immer wieder aufmunternd zu.- Die nicht wenigen Laienvertreter, die auf der Synode als Auditoren und Experten anwesend sind, haben diesen Ruf wohl vernommen und versichert, sie und die von ihnen repräsentierten Gruppen würden diesen Ruf freudig aufnehmen. Sie haben aber auch bohrende Fragen an die Hierarchie gerichtet, die manchmal ans Mark der orientalischen Kirchen und ihrer Verfasstheit rühren: ökumenische Zusammenarbeit, eigensüchtige oder gar korrupte Kleriker, mangelnde Verbundenheit mit notleidenden Gemeinden. Nicht nur aus dem Irak wurden auch Stimmen laut, dass mancherorts gar keine Kleriker mehr vorhanden sind, die den Gemeinden vor- und beistehen.
Für die Christen in aller Welt, die in diesen Tagen der Synode auf ihre Geschwister im Orient schauten, sind neben den weithin bekannten Problemen und Herausforderungen politischer (Israel-Palästina-Konflikt, Lage im Irak) und kirchlich-religiöser Art (Auswanderung der Christen, extreme Minderheitssituation) durch die Diskussionen während der Synode neue Themen in den Blick geraten. Ein Großteil der orientalischen Christen lebt in der weltweiten Zerstreuung. Notabene: das bei uns hierfür verwandte Wort „Diaspora“ ist nicht beliebt: man spricht, auch wenn es in der Schlussbotschaft wieder auftaucht, während der Synode lieber von „Ausbreitung“ (expansion). Dies ist ja kein neues Phänomen, sondern ein Jahrhunderte altes. Die große Vertreibung der Armenier (und später der griechischen Christen) aus der Türkei hat schon in der e Ein bislang viel zu wenig beachtetes Phänomen sind die christlichen Zuwanderer im Mittleren Osten. Allein auf der Arabischen Halbinsel haben über 3 Millionen Katholiken aus Afrika und Asien als Gastarbeiter eine –zumindest zeitweilige- Heimat gefunden. Die meisten von ihnen kommen aus den Philippinen und aus Indien. Die zwei für sie zuständigen Apostolischen Vikare, Bischof Hinder und Bischof Ballin, waren auf der Synode sehr gefragte Gesprächspartner. Das Schicksal dieser „Neuchristen“, vor allem ihre mangelhafte soziale und auch pastorale Versorgung, ist während der Synode spürbar aufgegriffen worden als wichtiges Handlungsfeld für die Zukunft. Vergleichbare Einwanderungsschübe hat es auch im Heiligen Land und den Nachbarländern Ägypten, Jordanien und Libanon gegeben. In Israel ist die Gruppe dieser Christen Schätzungen zufolge bereits größer als die der Arabisch sprechenden alt-eingesessenen Christen.
Impulse für die Freunde des Heiligen Landes Für den Beobachter, der vor allem aus der Heiligland-Perspektive an der Synode teilnahm, war dies zunächst eine Möglichkeit, sich mit alten Freunden aus dem dortigen Episkopat und mit vielen weiteren Beobachtern in zahlreichen Begegnungen auszutauschen. Immer wieder wurde der Dank für die umfangreiche Hilfstätigkeit des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und der deutschen kirchlichen Hilfswerke zum Ausdruck gebracht und für die Solidarität mit den einheimischen Christen, die in so vielen Pilgerbesuchen in Erscheinung trete. Communio, das Schlüsselwort der Synode: wie können wir –über unsere Hilfe und Solidarität hinaus- die Gemeinschaft innerhalb der katholischen Ortskirchen, untereinander und in der ökumenischen Kooperation zwischen den Kirchen fördern? Für die Beziehungen zwischen den katholischen Rituskirchen liegt hier eine besondere Herausforderung für das Jerusalem-Büro des DVHL. Es ist bereits eingebunden in die noch jungen Kooperationsstrukturen und kann diese verstärken und ihre Zusammenarbeit verbessern.
Die ökumenische Zusammenarbeit ist im Heiligen Land bereits weiter fortgeschritten als andernorts im Mittleren Osten, vielleicht mit Ausnahme Syriens. Sie konzentriert sich jedoch stark auf die politischen Probleme und Fragen. Die gemeinsame christliche Analyse der Konfliktsituation, welche die palästinensischen Christen vor einem Jahr mit dem sogenannten „Kairos“-Dokument vorgelegt haben, war auch ein großer ökumenischer Schritt, der von Synodenteilnehmern positiv kommentiert wurde.
Sicherlich wird sich unser Verein in Zukunft auch noch stärker mit der wachsenden Gemeinde der hebräischsprachigen Christen in Israel beschäftigen müssen. Ihr Sprecher, der Patriarchalvikar P. David Neuhaus SJ gehörte zu den prominentesten Figuren der Synode; auch in der Arbeitsgruppe beeindruckte er durch kritische Kommentare und gut fundierte Vorschläge.
Fazit Das wichtigste an dieser Synode ist sicherlich, dass sie stattgefunden hat, dass der Heilige Vater den Kairos der Rückbesinnung der orientalischen Kirchen auf das eigene Potenzial ihres apostolischen Ursprungs und der missionarischen Kraft ihrer „Väterzeit“ als überlebenswichtig für die orientalischen Kirchen und ihr gemeinschaftliches Zeugnis in Gegenwart und Zukunft gegenüber der –vor allem islamischen– Umwelt erkannt hat.
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