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Keine Messen am Ort des letzten Abendmahls

Die Rückgabe des Heiligtums an die Kirche ist unwahrscheinlich

von Gabi Fröhlich

 

Für die katholische Kirche bleibt es der schmerzlichste Verlust im Heiligen Land: Wenn am Gründonnerstag in allen Kirchen der Welt an die Fußwaschung und das letzte Abendmahl Jesu erinnert wird, bleiben Gottesdienste am Ort des Geschehens selbst verboten. Der Jerusalemer Abendmahlssaal ist in staatlicher Hand. Zwar haben Besucher ungehindert Zutritt für Besichtigungen, doch Gebetszeiten sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Das Gebäude ist ein anschauliches Beispiel für das komplexe Über-, Neben- und Durcheinander unterschiedlichster Zeitalter und Religionen in der Heiligen Stadt. Der Raum, der heute als Abendmahlssaal besichtigt wird, stammt aus dem Mittelalter. Aber seine Geschichte reicht weiter zurück. In den Evangelien finden sich keine genauen Angaben über das Gemach, in dem Jesus vor seinem Tod mit den Aposteln das Pascha-Lamm essen wollte. Schon früh wurde jedoch angenommen, dass es mit dem „Obergemach“ identisch war, in dem die Jünger später den Heiligen Geist empfingen.

 

Erste Hinweise über die Lage stammen aus dem Jahr 130, als ein Pilger eine „kleine christliche Kirche“ am Ort des Pfingstereignisses beschrieb. Im 4. Jahrhundert wurde darüber die große Basilika „Hagia Zion“ errichtet, welche von den Kreuzfahrern zerstört vorgefunden und wieder aufgebaut wurde. 1333 wurde das verfallene Heiligtum den Franziskanern anvertraut, welche daneben ihre Zentrale errichteten und dem Abendmahlssaal seine heutige gotische Gestalt gaben.

1551 beschlagnahmten jedoch die neuen osmanischen Herrscher das Gelände. Grund war die von den Kreuzfahrern eingeführte Tradition, dass sich unter dem Abendmahlssaal das Grab König Davids befinde. Mit der Zeit ließen die muslimischen Machthaber das Gebäude in eine dem „Propheten David“ geweihte Moschee umwandeln. Bis heute zeigt der Abendmahlssaal Spuren davon, etwa die arabisch verzierten Fenster.

 

1948 fiel der Zionsberg im ersten jüdisch-arabischen Krieg an Israel. Da bis zur Eroberung der Altstadt 1967 Juden keinen Zugang zur Klagemauer hatten, entwickelte sich das „Davidsgrab“ zum beliebten Pilgerziel. Der untere Teil des Gebäudes wurde in eine Synagoge umgestaltet, der Abendmahlssaal selbst zum Museum. Wenn es noch einen Rest von dem einstigen ersten Kirchlein geben sollte, dann befindet er sich unten: Der samtbedeckte „Davids-Schrein“ steht vor einer rauchschwarzen Nische, die von dem frühchristlichen Heiligtum stammen könnte.

Die traditionelle Gründonnerstagsprozession der Franziskaner ist einer der raren liturgischen Reste, die heute für den Ort der Einsetzung der Eucharistie genehmigt werden. Dass Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Jahr 2000 dort eine Messe feiern durfte, galt als kleine Sensation - und war unter Juden umstritten. Gerüchte, der Abendmahlssaal könnte - etwa im Tausch gegen die einstige Synagoge von Toledo - an die katholische Kirche zurückerstattet werden, sorgen regelmäßig für Entrüstung in israelischen Medien. Vor allem die Mitglieder der national-religiösen Thora-Schule „Diaspora-Jeschiwa“, die sich 1967 zwischen den Klöstern auf dem Zionsberg installiert hat, warnen vor einer „katholischen Übernahme des bedeutenden jüdischen Heiligtums“.

 

Tatsächlich wird der Fall mittlerweile auf höchster Ebene diskutiert, in den israelisch-vatikanischen Verhandlungen über Eigentumsfragen. Der aktuelle israelische Verhandlungsführer, der stellvertretende Außenminister Daniel Ayalon, hat allerdings wiederholt betont, dass eine Rückgabe des Abendmahlssaals nicht zur Debatte stehe. Und selbst der oberste Franziskaner im Heiligen Land, Kustos Pierbattista Pizzaballa, beantwortet die Frage, ob er noch auf eine Rückkehr der Franziskaner in ihr altes Domizil hoffe, mit einem wehmütig-lakonischen „Nein“. Höchstens gehe es um eine „gewisse liturgische Nutzung“. Aber davon sei man noch weit entfernt.

 

 

 

 

 

 

 

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