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„Grabputz“ bei den Jerusalemer Königsgräbern

Die Grabanlage der Königin Helena aus Adiabene wird restauriert

von Erich Läufer

 

Man muss ein paar hundert Meter vom Jerusalemer Damaskustor in den palästinensischen beziehungsweise den ehemaligen jordanischen Teil Jerusalems gehen, um zu den alten Königsgräbern zu kommen. Schilder in mehreren Sprachen machen auf diese umfassende archäologische Zone in Jerusalem aufmerksam. Nachdenklich stimmt, dass bei den Hinweisschildern auch immer in französischer Sprache mitgeteilt wird, wohin der Besucher gehen muss. Im Übrigen nur ein paar Gehminuten vom Paulus-Haus entfernt.

 

Was den Besucher freilich seit einiger Zeit erwartet, ist eine große Baustelle, die in vielen gedruckten Reiseführern eben nicht als Baustelle ausgewiesen ist. Zur Zeit wird auf Initiative des französischen Außenministeriums die Restauration der „Königsgräber“ in Jerusalem betrieben. Es geht um eine Grabanlage aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Flavius Josephus hat in seinen Schriften berichtet, dass in dem großen Grabkammerkomplex die Gebeine der Königin von Adiabene (einer Stadt am Unterlauf des Tigris) und ihres Sohnes Izates bestattet seien. Die Königin mit ihrer Familie war, von jüdischen Kaufleuten ermuntert, zum Judentum konvertiert. Sie kam als Pilgerin während der großen Hungersnot (Apostelgeschichte 11,27-30) zwischen 46 und 48 n. Chr. nach Jerusalem und begann sofort, Lebensmittel aus Ägypten und Zypern zu beschaffen. In der Unterstadt ließ sie einen Palast erbauen, weil sie in Jerusalem bleiben wollte. 20 Jahre lebte sie in der Heiligen Stadt. Ihr Grab wurde später von Räubern geplündert. Ihren Sarg fanden sie nicht. Der Sarkophag der Helena wurde erst viel später entdeckt und befindet sich heute im Louvre in Paris. Er trägt ihren aramäischen Namen „Saddan“.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. ist das Grabareal errichtet worden. Es muss eine grandiose Anlage gewesen sein. Einige Ruinenstücke, Friese, korinthische Kapitelle, drei Pyramiden als Bekrönung und eine große Freitreppe zum eigentlichen Grabhof lassen noch eine Ahnung von der ehemaligen Pracht erahnen. Das Gelände war ursprünglich ein Steinbruch, in dem Malachit gefördert wurde. Die Freitreppe hat sich aus der Rampe entwickelt, auf der Malachitblöcke hochgezogen wurden. Der Winterregen, der über die Treppe herabflutete, wurde durch zwei große Rinnen aufgefangen.

 

Aus Sicherheitsgründen ist das Innere des Grabkomplexes zur Zeit nicht zugänglich. Zu sehen ist dort ein besonders schöner Rollstein, um die Grabkammern zu verschließen. Vom Vorraum führen Türen zu drei Grabkammern. Doppelschachtgräber sind hier untergebracht mit Beinhäusern seitlich oder am Ende. In die Kammer, in der der Sarkophag der Helena untergebracht war, führte eine Geheimtreppe. An den Wänden sind gut erhaltene Bänke für die Besucher bei den Toten. Erste Sanierungsmaßnahmen wurden im Winter 2008/2009 durchgeführt. Die jetzigen haben aus dem Komplex eine Baustelle gemacht. Die Arbeiten führt die Ecole biblique et archeologique française de Jerusalem durch.

 

Der Name „Königsgräber“ stammt von der früheren Annahme, die Könige von Juda seien hier bestattet worden. Die Ausgrabungen im 19. Jahrhundert haben aber damals schon bestätigt, gestützt durch eindeutige Datierungen, dass die Anlage ins 1. Jahrhundert n. Chr. gehört. Zu dieser Zeit wurden keine jüdischen Könige mehr in Jerusalem begraben. Wenn die Restaurierungen abgeschlossen sind, lohnt der Besuch dieser „Königsgräber“ ganz bestimmt, weil sie eine Ahnung davon aufkommen lassen, wie in dieser Zeit „bestattet“ wurde.

 

 

 

 

 

 

 

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