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„Der Herr ist mein Licht ... " (Psalm 27)

Die Hoffnung ist rar geworden in unserer Zeit

von Erich Läufer

 

Die Heimat Jesu ist auch die Heimat der Psalmen, der Gebete des jüdischen Volkes. Auch Jesus hat sie gebetet. Jeder der 150 Psalmen hat seine eigene Geschichte. Vieles spricht dafür, dass die Psalmen nicht in den Schreibstuben der Tempelfachleute gedichtet, sondern aus den Erfahrungen des Lebens heraus gebetet wurden. Auch Psalm 27. Er wird zwar David zugeschrieben, eher wird aber ein frommer Jude in biblischer Zeit in schwieriger Situation so gebetet haben. Er hoffte auf ein gutes Ende. Was er im Einzelnen genau durchgemacht hat, wissen wir nicht. Es wird nur angedeutet. Aber im Vertrauen auf den Herrn ist alles gut gegangen und so jubelt er schließlich: „Der Herr ist mein Licht ... er ist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte ich mich fürchten."

Für den ersten Augenblick mag uns das zu schaffen machen. Könnten wir so beten: „Der Herr ist mein Licht"? Dunkelheit ist eine Erfahrung, die allen Menschen bekannt ist. Die Dunkelhaft ist eine besonders schlimme Tortur und Strafe. Ohne Licht und ohne Hoffnung unterwegs zu sein ist bitter. Das Gefühl von Ohnmacht und Angst macht krank. Angst ist der Zoll des Menschen an das Menschliche samt dessen Grenzen.

 

Wer kennt das nicht: In der Bedrängnis wissen wir nicht weiter. Wir haben gebetet und den Himmel bestürmt. Und dennoch war es, als habe sich Gott vor uns versteckt. Wir fühlen uns allein gelassen und drauf und dran, in Panik zu verfallen. Wer haderte nicht schon mit Gott! Und dann den Psalm beten: „Der Herr ist mein Licht, warum soll ich mich fürchten"? Eher kommt mir das Gebet einer Frau aus Lateinamerika über die Lippen: „Verlass mich nicht. Ich fürchte mich. Ich habe Angst. Lass mich nicht allein. Gott, du Ferner. Gott, mein Abwesender, wo bist du? Ich brauche deine Hilfe, mein Gott ohne Namen."

Machte es sich der Psalmist also zu einfach: „Der Herr ist die Kraft meines Lebens. Vor wem sollte mir bangen?" Wer von uns kann so beten? Und wer tut es? Gibt es in unseren vier Wänden, in welche die Medien Tag für Tag Bilder von Grausamkeit, Katastrophen, Hass und Terror bringen, tatsächlich die Möglichkeit, das Fenster der Hoffnung aufzumachen? Auch der biblische Beter erlebte schlimme Zeiten. Die Karten kommen auch bei ihm auf den Tisch, wenn er aufzählt, was er durchgemacht hat und er beteuert, dass es nicht vergebens war, in schlimmster Gefahr die Zuversicht zu behalten, dass Gott hilft: „Du wurdest meine Hilfe". Er suchte die große Hand, die ihn hält. Er hat sie gefunden. Sein Erleben wird zum Dank an den Herrn, der die Dunkelheit mit Licht erhellte. Dafür verbürgte sich der uns unbekannte Beter. Er bezeugt, dass Gott um unsere Leiden und unsere Verzweiflung weiß. Dass er sogar zulässt, dass Sorgen über uns kommen. Leid hält er nicht fern. Und dann das Überraschende: Im Psalm 27 bekennt ein Mensch aus eigenem Erleben, dass dieser Gott ihn nicht hat hängen lassen, wie schlimm es auch gekommen ist. Vielleicht müssen wir manchmal sein Schweigen aushalten, um die Erfahrung zu machen, nicht von Gott verstoßen zu sein. Freiwillig suchen wir uns so etwas nicht aus. „Sucht sein Angesicht!", beschwört uns der Psalmist. Mehr noch: „Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf.“

 

Dieser Psalm ist ein Gebet gegen Resignation und Frust. Er gleicht der Blume der Zuversicht, als Evangelium gepflanzt, wo rundum das Unkraut der Resignation und der Müdigkeit wuchert. Hoffnung ist eine rare Blume geworden. Aber sie taugt bestens für den Altarschmuck.