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Sorgen um die Christen im Heiligen Land

von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

 

Die Christen im Nahen und Mittleren Osten befinden sich in vielerlei Hinsicht in einer prekären Lage. Mit großer Sorge beobachten die deutschen Bischöfe, dass die christliche Bevölkerung in den Ländern dieser Region seit vielen Jahren ständig abnimmt. Viele Menschen sehen in der angestammten Heimat keine Zukunft mehr für sich und ihre Kinder und verlassen den Nahen Osten.

Es gibt enorme soziale Probleme, die durch ein weiterhin hohes Bevölkerungswachstum verschärft werden. Eine große Zahl von Jugendlichen hat kaum soziale Aufstiegschancen. Die autoritären Regime, die viele Länder des Vorderen Orients steuern, sind nicht willens oder fähig, Lösungen für diese Probleme zu finden. Vor allem deshalb konnten sich Islamisten zur starken Opposition gegen die Machteliten und den Status quo aufschwingen. Die Zivilgesellschaft wird also von zwei Seiten eingeengt und bedroht – von den Inhabern der staatlichen Macht und von religiös radikalen oder sogar fanatischen Bewegungen. Für religiöse Minderheiten kann dies nichts Gutes bedeuten.

 

Islamischer Einfluss

 

Man darf sich nicht davon täuschen lassen, dass die Islamisten bislang nur in wenigen Staaten oder Gebieten die Regierungsmacht erobert haben. Zunehmend gewinnen sie Einfluss auf die Lebensverhältnisse auch dort, wo sich eher säkular orientierte Regime noch behaupten können. Ägypten mit seiner verhältnismäßig großen koptischen Minderheit ist ein eindrückliches Beispiel dafür. Unter dem Druck der gesellschaftlichen Macht islamistischer Bewegungen verliert das Christentum seinen früher unangefochtenen Platz in der Gesellschaft. Christen werden an den Rand gedrückt und suchen schließlich eine neue Heimat in den westlichen Ländern. Auch im Libanon haben der Bürgerkrieg und die wiederholten politischen und militärischen Interventionen der Nachbarstaaten zu einer Zerrüttung der gesellschaftlichen Verhältnisse und damit einhergehend zu einer nie gekannten Blüte des schiitischen Islamismus geführt.

 

Bedrückende Lebensumstände

 

Im Heiligen Land – in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten – sind die Christen zum Opfer der anhaltenden politischen Krise geworden. Ihr Bevölkerungsanteil macht im israelischen Kernland nur noch knapp zwei Prozent aus. In den autonomen Palästinensergebieten liegt er wohl schon darunter, im Gaza-Streifen tendiert er gegen Null. Oft leben die Christen unter sehr schwierigen Bedingungen. Verschiedene Entwicklungen kommen hier zusammen: Die Christen haben teil an den bedrückenden Lebensumständen und der zunehmenden Hoffnungslosigkeit der Palästinenser in den besetzten Gebieten. In Israel sind sie als Christen und Araber sogar in einer doppelten Minderheitenposition. Der politisch und gesellschaftlich in der Hamas organisierte Islamismus unter den Palästinensern grenzt die Christen darüber hinaus immer weiter aus der Gesellschaft aus und nimmt ihnen die Luft zum Atmen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Zahl derer weiterhin hoch ist, die das Land verlassen, weil sie für sich und ihre Kinder keine Perspektiven mehr sehen.

Auch mit Unterstützung aus dem Ausland unterhalten sie soziale Einrichtungen und Schulen und versuchen auf diese Weise, Beiträge zu Frieden und Versöhnung zu leisten. Aber niemand vermag zu sagen, ob dem Trend des Wegzugs wirklich Entscheidendes entgegengesetzt werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

(c) Deutscher Verein vom Heiligen Lande - 2010     mail[[at]heilig-land-verein.de

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