psalm133

 

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„...wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen...“

Psalm 133 – Herausforderung und Mahnung an alle

Von Erich Läufer

 

Es ist ein ganz kurzer Psalm. Ganze drei Verse macht er aus. Sie scheinen überschaubar und leicht zugänglich. Ein Wallfahrtslied des David nennen ihn die biblischen Schriftsteller:

 

„Seht doch, wie gut und schön es ist, wenn Brüder miteinander in Eintracht leben. Das ist wie kostbares Salböl, das vom Kopf hinab fließt auf den Bart. Auf Arons Bart, das auf sein Gewand hinabfließt. Das ist wie der Tau des Hermon, der auf den Berg Sion niederfällt, denn dort spendet der Herr Segen und Leben in Ewigkeit.“

 

Ein Wallfahrtslied auch für uns? Nicht nur auf den Wegen durch die Heimat Jesu nach Jerusalem, sondern überall auf unserem Lebensweg? Den ersten Vers kennen sehr viele, nicht nur weil er immer wieder in feierlichen pädagogischen Ermahnungen auftaucht, sondern auch leicht verstehbar ist. Irritationen gibt es höchstens in den folgenden bildreichen Beispielen vom Salböl und dem Tau des Hermon. Das Salböl über den Kopf gegossen bei Königskrönungen oder Ehrungen. Der Tau am frühen Mogen als Geschenk des Schöpfers an die Natur. Legen wir das einmal zur Seite und freuen uns, wenn wir mit dem ersten Vers zurecht kommen.

Ein biblisches Wallfahrtslied also für das wandernde Volk Gottes zu allen Zeiten. Die exegetische Auslegungsspur ist breit ausgetreten. Martin Luther lenkte sie in eine entsprechende Richtung, indem er in seine Übersetzung das Wörtchen „einträchtig“ hinzufügte. In der Einheitsübersetzung heißt es in „Eintracht“ wohnen. Eintracht unter Menschen fällt nicht vom Himmel. Dafür muss man etwas tun. Wo nicht einträchtig miteinander gelebt wird, haust man nur nebeneinander. In der Familie, in der Nachbarschaft, unter Erben, im Volk Gottes, in der Gemeinde. Bei dieser Aufzählung müsste es uns mulmig werden, wenn wir aus unserem Gedächtnis nicht manche Konflikte und Krisen einfach ausblenden würden. Einige Ausleger meinen sogar, Gott fordere hier die Bedingung der Eintracht, damit er seinen Segen und das Ewige Leben schenke.

Heben wir den Psalm auf die neutestamentarische Ebene, dann landen wir natürlich beim Volk Gottes der Gegenwart, bei der Gemeinde Jesu, bei seiner Kirche. Dann trifft der Vers voll ins Schwarze: „Wie fein und lieblich ist es, wenn (wider Erwarten) Brüder und Schwestern (tatsächlich) einträchtig miteinander wohnen und umgehen.“ Das wäre dann ein ganz besonderes Geschenk. Vielleicht sogar ein Wunder, aus der Alltagserfahrung heraus gesprochen. Ein Wunder, wie es in der Welt nur selten vorkommt. Damit wäre auch erreicht, was manche „geschwisterliche“ Kirche nennen mögen. Letzthin begegnete mir jemand mit einem starken Spruch auf seinem T-Shirt. Weiß auf blau war zu lesen: „Religion ist heilbar.“ Wahrscheinlich wird der Träger das anders verstehen als ich. Der erste Vers unseres Psalms beginnt mit „Siehe“ oder „Seht doch“. Eine Aufforderung die meint: Es geht doch. Packe das Ungewöhnliche an! Fange an, so zu leben, wie es der Psalm 133 poetisch ausmalt. Der Herr will doch, dass alle eins sind und sagt als Hilfe den Geist der Stärke zu.

Wer will bestreiten, dass in jüngster Zeit das Volk Gottes und die Kirche oft nur die Karikatur von Eintracht abgegeben haben. Streit, Vorwürfe, Rechthaberei, Machtgelüste. Umgangsformen wie in der politischen Gesellschaft. Schlammschlachten bei Skandalen. Psalm 133 mahnt, nicht Wunden zu schlagen, sondern Verletzungen zu heilen. Er ermahnt alle. Alle. Oben und unten, rechts und links! Jeder Mensch ist gemeint, zumal der auf irgendeine Weise in Verantwortung Gerufene. Zeiten, wie der Psalm 133 sie beschreibt, hat es in der Kirche oft gegeben. „Seht, wie sie einander lieben“, schrieb der antike Schriftsteller Tertullian bewundernd über das Miteinander der ersten Christen. Es war ein Markenzeichen dieser Generation. Wie einladend werden die Christen von heute in der Öffentlichkeit wirken, wenn Psalm 133 zum Maßstab des Miteinanders wird!

 

 

 

 

 

 

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