Eintauchen in die Landschaft des Evangeliums
Ein Wanderweg führt auf den Spuren Jesu durch Galiläa
Pilgern „auf den Spuren Jesu“ bedeutet heute in der Regel: Fahren in einem klimatisierten Bus, der seine Reisegruppe hier und dort an herausragenden Wirkungsstätten Jesu ausspuckt. Aber diese bequeme, oft gehetzte Art der Wallfahrt ist nicht jedermanns Sache. Immer mehr Pilger machen sich zu Fuß auf die Spuren Jesu – auf dem „Jesus-Pfad“ durch Galiläa.
„Wir hatten letztes Jahr an die tausend Wanderer auf u nserer Route“, erklärt David Landis (27), der 2008 zusammen mit Maoz Inon (34) die Initiative zu dem Pilgerweg gestartet hat – „dieses Jahr werden es vermutlich doppelt so viele sein.“ Mittlerweile haben der amerikanische Mennonit und der jüdische Israeli mit einer Schar ehrenamtlicher Helfer die Infrastruktur deutlich verbessert. Die 65 Kilometer lange Hauptroute zwischen Nazareth und dem See Genezareth wurde durchgehend markiert. Neue Seitenrouten, ebenfalls entlang Wirkungsstätten Jesu, wurden in ein GPS-System aufgenommen. Und mit seiner Verlobten Anna Dintaman hat Landis nun einen englischsprachigen Wanderführer herausgebracht, in dem sämtliche Varianten detailliert beschrieben und kartiert sind. Außerdem gibt der Führer Informationen zu Sehenswürdigkeiten auf dem Weg, Hinweise auf passende Bibelstellen, Vorschläge für Unterkünfte und weitere praktische Tipps.
Die Deutschen waren unter den ersten Nationen, die den Jesus-Pfad entdeckten. Frauke Schäfer (42) etwa hat erst die Aussicht auf den Fußpilgerweg ins Heilige Land gelockt. „Normalerweise steht für mich beim Wandern das Naturerlebnis im Vordergrund“, sagt die Geologin. Aber trotz malerischer Abschnitte wie bei den „Klippen von Arbel“ oder im „Taubental“ seien weder Natur noch Kultur die eigentlichen Höhepunkte, stellt Schäfer nach ihrer Ankunft im biblischen Kapharnaum nüchtern fest: „In gewisser Hinsicht ist der Weg eine Zumutung: Er führt auch durch Müllhalden, endlose Vororte, Baustellen und Dornengestrüpp.“
Dennoch bleibe es die Landschaft, die auch Jesus gekannt habe: „Viele Bilder, die die Bibel gebraucht, werden plötzlich lebendig, und ich kann sie viel besser verstehen.“ Gleichzeitig führe das „Gehen mit Jesus“ auch zur Begegnung mit den Menschen auf dem Weg: „Ich bin noch nie so intensiv in eine mir völligfremde Lebenswelt eingetaucht“, gesteht die erfahrene Historikerin. Auf der Strecke zwischen Nazareth und dem See Genezareth ist sie durch das arabische Kanaa gekommen, einen religiösen jüdischen Kibbuz, ein Drusen Kloster und einen Franziskaner Konvent.
Genau das ist das Grundanliegen der Initiatoren: „Man sieht hier viel mehr als etwa auf dem Jakobsweg – auch wenn der Jesus-Pfad kürzer ist“, meint der Israeli Inon. Der Jungunternehmer glaubt zudem fest an den Friedensaspekt des Pilge rweges: „Wir machen kein neues Friedensprojekt zwischen Arabern und Juden – wir arbeiten gemeinsam für ein gemeinsames Ziel.“ Etwa bei einem Müllbeseitigungs-Tag, den sie mit Schülern aus der Umgebung am Wegesrand durchgeführt haben, um deren Umweltbewusstsein zu schärfen.
Dass das israelische Tourismus-Ministerium mittlerweile einen ersten Abschnitt für einen groß angelegten „Evangeliums Weg“ eingeweiht hat, begrüßen Inon und Landis grundsätzlich: „Wir hoffen jedoch, dass das Ministerium auch das Wohl der lokalen Gemeinschaften am Weg, der Natur und der einzelnen Pilger im Blick hat – und nicht auf einen Massentourismus zielt, mit lauter Park und Picknick-Plätzen“, meint Landis.
Etwas Luxus kann man sich allerdings auch auf dem Jesus-Pfad gönnen: Wer nicht sein ganzes Gepäck mitschleppen will, kann den Service der „selbstgeführten Tour“ in Anspruch nehmen. Dabei reservieren die Organisatoren des Jesus-Pfades die Unterkünfte – in einer Familie oder im Kibbuz etwa – und fahren das Gepäck immer zum jeweiligen Übernachtungsort. Die Preise für das Paket sind gestaffelt; je nach Art der Unterkünfte kostet die Tour ab etwa 220,00 Euro mit fünf Übernachtungen.
Weitere Einzelheiten zu Pfad und Wanderführung gibt es unter www.jesustrail.com.
Gabi Fröhlich
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