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Gaza – Brücke zwischen Kulturen

6000 Jahre Geschichte stehen für Dialog und Konflikte

Von Erich Läufer

 

 

Beim Stichwort „Gaza“ steht vor unseren Augen eine ramponierte Stadt und das Bild leidgeprüfter Menschen im Gaza-Streifen, dem Unruhegebiet zwischen Israel und Ägypten, beherrscht von der Hamas. Hoffnungslosigkeit und Hass geben dem Alltag Gazas ein eigenes Gesicht. Hat da die Erinnerung oder die Frage, ob Gaza altes Kulturland ist, überhaupt Berechtigung, solange dort kriegsähnliche Zustände herrschen? Tatsächlich verweist Gaza auf eine 6000 Jahre alte Geschichte als Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen.

 

Als Umschlagplatz des internationalen Fernhandels entwickelte sich dieser Landstrich zu einem Zentrum urbaner Kultur. Gaza war eine der fünf bedeutenden Städte der Philister in biblischer Zeit und galt als südlicher Grenzpunkt Kanaans an der Küste des Mittelmeeres (Deut 10,19). Die biblische Erzählung von Samson spielt in Gaza (Ri 16,21). Und im Buch Samuel wird berichtet, wie die Bewohner Gazas eine Beule und eine Maus aus Gold opferten, um von den Plagen verschont zu werden, die wegen des Besitzes der Bundeslade über sie gekommen waren. Im 8. Kapitel der Apostelgeschichte ist aufgeschrieben, wie der Diakon Philippus auf der Straße von Jerusalem nach Gaza dem äthiopischen Kämmerer nachläuft und ihn tauft.

 

Kein Wunder, dass ein interessantes archäologisches Erbe im alten Durchgangsland zu finden ist, weil Ägypter und Assyrer, Kanaanäer, Perser, Ptolemäer, Römer, Byzantiner und Seldschuken ihre Spuren hinterlassen haben. Dabei geht es nicht um Reste imposanter Bauwerke, sieht man einmal von größeren Ruinen und Mosaiken aus byzantinischer Zeit ab, wohl aber um zahlreiche Bodenfunde: Keramik aus unterschiedlichen Epochen, Skarabäen, Silbermünzen, Öllampen, Bruchstücke großer Figuren, zierliche Statuetten und figürliche Grabbeigaben. Die meisten Artefakten stammen aus den Ausgrabungen von Tell Umm, Amer, Blakhiya, Jabaliya und Tell-es-Sakan.

 

Ausgestellt wurde eine Auswahl solcher Fundstücke erstmals 2007 in der Ausstellung „Gaza — a la croisée des civilisations“ in Genf. Diese wurde später erweitert um eine große Privatsammlung und war Anfang des Jahres 2010 in einer Sonderausstellung des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg zu sehen. Zum Glück gibt es für Interessierte über den Tag hinaus ein Begleitbuch dieser Ausstellung mit zahlreichen abgebildeten Exponaten, die inzwischen wieder in Depots und besagter Privatsammlung in Gaza verwahrt werden. In der Publikation wird zudem geschildert, wie aus der Nomadenzeit heraus sich blühende Städte im Gazaland entwickelten. Wie es den Menschen erging mit der Eroberung durch Alexander den Großen, wie Gaza im oströmischen Reich eine Rolle spielte oder auch welche Prägung das christliche Byzanz dem Land gegeben hat, ehe der Islam dort die Herrschaft übernahm.

 

Das historische Kulturgut auf einer Fläche von 362 Quadratkilometern (kleiner als das Bundesland Bremen) ist durch die derzeitigen Verhältnisse in Gefahr, noch mehr in Verlust zu geraten. Die Region war nur selten konfliktfrei. Die abgebildeten und zum Teil hochkarätigen Objekte zeigen, wie in der Geschichte Gazas in hohem Maße Austausch und Dialog, friedliches Zusammenleben und Toleranz möglich waren. Selbst wenn man nur die Fotos betrachtet, versteht man den Wunsch des leidgeprüften Gaza und seiner Menschen, die archäologischen Urkunden der eigenen Geschichte in einem Museum in Gaza zu präsentieren.

 

 

 

Mamoun Fansa/Karen Aydin (Hrsg.)

Gaza – Brücke zwischen Kulturen

150 Seiten, zahlreiche Farbfotos, ISBN 978-3-8053-4224-7

Verlag Philipp von Zabern, Mainz

 

 

 

 

 

 

 

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