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Ephesus – antike Metropole in biblischer Umwelt

Geschichtliche Hintergründe zur viel besuchten Ausgrabungsstätte

Von Erich Läufer

 

Der Begriff „Heiliges Land“ kann sehr eng gefasst sein und nur für die Heimat Jesu angewendet werden. Längst aber hat sich durchgesetzt, dass die Bezeichnung „Heiliges Land“ auch eine weitaus größere Region meinen kann, in der sich die Offenbarung Gottes und sein Wirken ereignete, so wie es im Alten und Neuen Testament beschrieben ist. Ägypten, Jordanien, Syrien und weite Teile Kleinasiens gehören dazu. Wie viele „biblische Reisen“ bewegen sich heute auf den Spuren des Paulus und seiner Mission und führen nach Lystra, Derbe, Ikonium, Athen, Korinth oder Antiochien in Pisidien.

Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei Ephesus. (Richtiger müsste es Ephesos heißen, aber die Schreibweise der Einheitsübersetzung ist vertrauter.) Die antike Metropole Ephesus ist eine der meist besuchten Ausgrabungsstätten in der Türkei. Ephesus war der Platz eines der sieben Weltwunder der Antike: des Tempels der Artemis. In Ephesus verewigten sich römische Kaiser. Der Philosoph Heraklit ließ sich dort nieder und der Geograph Artemidoros war hier zu Hause. Paulus musste in Ephesus um sein Leben fürchten, weil eine aufgeputschte Menge im Theater der Stadt raste und wie von Sinnen die Artemis von Ephesus tumultartig feierte. „ ... sie schrien alle fast zwei Stunden lang wie aus einem Mund: Groß ist die Artemis von Ephesus.“ Dieses Geschehen ist im 19. Kapitel der Apostelgeschichte dokumentiert.

 

Unbedingt lesenswert.

 

Ephesus stand immer wieder im Brennpunkt der Geschichte. Als Handelsund Verwaltungsstadt, als Zentrum antiker Artemis-Wallfahrt, als Ort nachhaltiger Geistesströmung, die vom Christentum ausging mit einer frühen christlichen Gemeinde. Eine gewisse Tradition vermutet hier den Sterbeort Marias. Unterstützt wurden die Visionen der Katharina Emmerik zu dieser Annahme durch Ausgrabungen auf dem Nachtigallenberg. Für die Kirchengeschichte hat Ephesus besondere Bedeutung wegen des dritten ökumenischen Konzils von 431, in dem Maria zur „Gottesgebärerin“ erklärt wurde. Kann man sich dieser Stadt überhaupt richtig nähern? Die vielen Schichten der Geschichte auseinanderhalten? Vor allem sollte man nicht am Vormittag die Ausgrabungsstätten besuchen, wenn von den Kreuzfahrtschiffen, die in der Bucht von Kusadasi vor Anker liegen, die Massen ins Gelände transportiert werden. Dann herrscht Gedränge vor den unterschiedlichen Bauten, in den Straßen, bei den antiken Bibliotheken, im Theater und zwischen den Villen am Hang, auf den antiken Märkten und vor den alten Amtsgebäuden.

Gerne sei hier auf einen neuen „Führer“ zur Vorbereitung eines Besuches von Ephesus hingewiesen. Das Buch ist auf den neuesten Stand gebracht. Es beeindruckt durch eine klare Sprache, informative Farbfotos und verhilft zum besseren Verständnis dessen, was die Augen sehen. (Wolfram Letzner, „Ephesos – eine antike Metropole in Kleinasien“, s. S. 8)

 

Ephesus liegt etwa 75 km südlich von der Stadt Izmir entfernt. Der Badeort Kusadasi ist in der Nähe und ebenso Selcuk, die Verwaltungsgemeinde. Ursprünglich besaß Ephesus einen direkten Zugang zum Meer mit einem Hafen an der Mündung des Kaystros. Die Verlandung bereitete schon in der Antike Probleme. Kaiser Hadrian versuchte vergeblich, den Kaystros durch einen Kanal zu begradigen. Bereits im 11. Jh. v. Chr. war es hier zu einer dauerhaften Siedlung gekommen. Im 9. Jh. scheint der Bezirk für das Heiligtum der Artemis entstanden zu sein. Der ephesische Tyrann Pythagoras baute der „vielbrüstigen“ Göttin Artemis Ephesia einen großen Tempel. Das Artemision, errichtet auf einer damals vorspringenden Landzunge, diente den Seefahrern auch als Landmarke.

Dieses Artemision mit seinem ausgeprägten Asylrecht wurde für die Stadt Ephesus von zentraler Bedeutung. Nicht nur wegen des Devotionalienhandels. Menschen und Dinge waren vor dem Zugriff anderer geschützt; und das Heiligtum wurde zu einer Art „Weltbank“, die kräftig Depotgebühren kassierte. Lyder, Perser und Griechen und später auch Römer stellten sich ein und gaben der Stadt „einen hohen Grad von Urbanität“ (Letzner). Leider gibt es keinen bedeutenden archäologischen Befund, um sich ein Bild von der Stadt dieser Epoche zu machen. Eine Katastrophe für Ephesus wurde zudem der Brand des Artemisions. Ein gewisser Herostrat setzte 356 v. Chr. den Tempel in Brand. Sein Motiv soll Geltungsdrang und Großmannssucht gewesen sein. Er wollte un-sterblich werden. Der Wiederaufbau zog sich lange hin. Selbst Hilfe, die Alexander der Große (König 336-323) anbot, wurde abgelehnt, um politisch unabhängig zu bleiben.

 

Später kam es zur Verlegung und Neugründung der Stadt an den heutigen Ort. Lysimachos erzwang mit dem Zusammenbruch des Reiches nach dem Tod Alexanders die Neugründung, um sich einen Namen als Stadtgründer zumachen. Bürgerkriege und das Schreckensregiment unter Mithridates VI. machten der Stadt zu schaffen. Der stellte sich als Befreier dar und befahl an einem Stichtag des Jahres 89 v. Chr. die Ermordung aller Römer und Italiker der Region. Dieses Massaker ist in die Geschichte als Ephesische Vesper eingegangen. Später verhinderte der Aufenthalt von C. Julius Caesar im Jahr 48 v. Chr. die Plünderung des Artemisions. Auch Marc Antonius hielt sich in der Stadt auf; und Augustus machte bei der Neuordnung des Reiches Ephesus zur Hauptstadt einer großen Provinz. Damit wurde eine neue Blütezeit eingeleitet, was sich in den Denkmälern widerspiegelt, die heute in Ephesus bestaunt und bewundert werden.

Ephesus erfreute sich des Wohlwollens der römischen Machthaber. Das zeigt sich auch darin, dass Kaiser Hadrian (117138) zweimal die Stadt besuchte in den Jahren 124 und 129. Auch sein Nachfolger Antoninus Pius (Kaiser 138-161) saß als Proconsul in Ephesus. Um die Mitte des 1. Jh. n. Chr. war Ephesus die zweitgrößte Stadt des Orients, wie Seneca sie beschreibt. Nicht einmal die zahlreichen Erdbeben, welche die Region heimsuchten, behinderten die Entwicklung der Stadt. Als Paulus Ephesus besuchte und dort predigte, wird die ephesische Bevölkerung auf rund 300.000 Menschen geschätzt. In der Stadt muss Tag und Nacht „viel und lärmender Betrieb“ gewesen sein.

 

Mitte des 2. Jh. wurde Ephesus, wie auch andere Teile des römischen Imperiums, von Katastrophen getroffen. Rückkehrende Soldaten vom Feldzug des Lucius Verus gegen die Parther schleppten eine verheerende Seuche in die Stadt ein. Die Wirtschaft brach zusammen. Erdbebenschäden konnten nicht mehr behoben werden. Im Jahr 262 n. Chr. wurde das Artemision durchein Beben schwer getroffen. Mitte des 4. Jh. verwüstete ein anderes Erdbeben die Stadt selbst. Als dann durch Kaiser Theodosius im Jahr 391 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde, konnten Tempel und heidnische Kultstätten bewusst abgerissen werden, um Baumaterial für Neubauten zu gewinnen. Ein weiteres Konzil wurde im Jahr 449 nach Ephesus einberufen. Chaotisch muss es dabei zugegangen sein, denn in der Kirchengeschichte hat sich dafür die Bezeichnung „Räubersynode“ festgesetzt.

Eine letzte Blüte erlebte die Stadt in der Mitte des 6. Jahrhunderts, als Teile der Verwaltung in die unter Kaiser Justinian erbaute Johannesbasilika verlegt wurden. Eine Art Nachblüte gab es noch einmal in der kurzen Zeit von 610 bis 655, als Ephesus zur Hauptstadt des byzantinischen Militärbezirks Thrakesion erhoben wurde. Doch mit den arabischen Angriffen wurde die Stadt endgültig aufgegeben. Ab dem 11. Jahrhundert verkam die einst so stolze Stadt mehr und mehr zum Ruinenfeld. Dazu passt, dass dem wichtigsten Bau für die Geschichte von Ephesus, dem Artemision, die Wirren so zugesetzt hatten, dass wir heute kaum noch etwas davon sehen können und das wenige Sichtbare, je nach Jahreszeit, unter Wasser liegt. Für Christen sind aber die Berichte der Apostelgeschichte und der Epheserbrief des Paulus bis heute wichtige Bausteine in der Glaubensund Kirchengeschichte geblieben.

 

Literaturhinweis

 

Wolfram Letzner

Ephesos

Eine antike Metropole in Kleinasien

120 Seiten, 60 Farbund Schwarz-Weiß-Abbildungen

ISBN 978-3-8053-4090-8

Verlag Philipp von Zabern, Mainz

 

 

 

 

 

 

 

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