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Aufregung um den Wiederaufbau der Churva Synagoge

 

Die „Churva“ ist ein symbolträchtiger Ort: Mitten im jüdischen Altstadt-Viertel Jerusalems gelegen war die hoch aufragende Synagoge mit den vier Rundbögen bis zu ihrer Zerstörung vor 62 Jahren ein Zentrum des aschkenasischen Judentums. Doch 1948 stürmten jordanische Truppen im ersten israelisch-arabischen Krieg die Altstadt, vertrieben alle jüdischen Bewohner. Die Synagogen wurden zerstört.

 

Damit lag die Churva bereits zum zweiten Mal in Trümmern. Denn schon 1700 hatten polnische Juden eine Synagoge an dieser Stelle errichten wollen, mussten jedoch aus Geldmangel aufgeben. Die Bauruine kam in muslimische Hand, verfiel. Erst 1864 wurde eine prächtige Synagoge an der Stelle errichtet – die im Volksmund den Namen „Churva“ (Ruine) behielt. Der Neubau, über dessen Wände jetzt eine bunte Lichtershow flackert, gleicht dieser alten Synagoge auf den Stein. „Wir haben uns darum bemüht, die einstige Churva originalgetreu wiedererstehen zu lassen“, sagt Gilad Bar-Adon, dessen Firma die Arbeiten durchgeführt hat.

„Lediglich bei sanitären Einrichtungen und Ähnlichem haben wir uns modernen Standards angepasst.“ Auftraggeber für das umgerechnet fast acht Millionen Euro schwere Unternehmen waren Stadt und Regierung. Finanziert wurde es jedoch überwiegend durch Spender, namentlich durch den ukrainisch-jüdischen Geschäftsmann Vadim Rabinovitch. Dass die „Churva“ erst so lange nach der Eroberung Ostjerusalems durch die israelischen Truppen im Sechstagekrieg 1967 wiedererbaut wurde, zeigt, wie umstritten das Projekt war. Zunächst hatte man für eine Beibehaltung der Ruinen als Mahnmal der Zerstörung optiert und 1978 lediglich einen der großen Stützbögen nachgebaut – ein beliebtes Fotomotiv für Besucher. Doch 2000 stimmte die Regierung einem Neubau zu. 2005 wurde mit den Arbeiten begonnen.

 

Zahlreiche Schaulustige beobachteten die von schwer bewaffneter Polizei geschützten Vorbereitungen für die Einweihung – die meisten mit Befriedigung: „Zweimal haben die Araber die Synagoge zerstört“, sagt Ladenbesitzer Pinchas. „Aber jetzt sind wir hier und bestimmen, was getan wird.“ Trotzdem demonstrierten Muslime zum „Schutz der Al-Aksa-Moschee“ und lieferten sich Straßenschlachten mit israelischen Sicherheitskräften. Neben der „Churva“ ragt übrigens das einzige Minarett des jüdischen Altstadt-Viertels empor, ein Relikt aus dem 15. Jh. Die Überlieferung will, dass eine zum Islam konvertierte jüdische Familie hier die „SidiUmar-Moschee“ errichten ließ, um ihre jüdischen Nachbarn zu ärgern. Und nicht weit entfernt befindet sich die aus dem 13. Jh. stammende „Ramban“ Synagoge der sephardischen Gemeinschaft – die den Rummel um die „Churva“ ebenfalls mit leichtem Misstrauen beobachtet.

Noch ist nicht klar, welche Gemeinschaft in der „neuen alten“ Synagoge beten wird – ein Komitee soll die verschiedenen jüdischen Strömungen zusammenbringen. Angesichts der Spannung kein leichtes Unterfangen. Für Besichtigungen ist die „Churva“ jedoch bereits geöffnet.

 

Erich Läufer

 

 

 

 

 

 

 

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