Kardinal Miroslav Vlk aus Prag besucht Beit Emmaus
Sonntagsmesse in der Kapelle des Gartens
Am 6. Juni feierte die Hausgemeinschaft von Beit Emmaus mit Kardinal Miroslav Vlk aus Prag die Sonntagsmesse in der Kapelle des Gartens.
Die Biographie des Kardinals spiegelt die Geschichte der katholischen Kirche in der Zeit eines kommunistischen Regimes: Nach seiner Matura 1958 war es ihm zunächst unmöglich, in ein Priesterseminar einzutreten; zehn Jahre davor wurden mit einer Ausnahme in Prag alle Priesterausbildungsstätten des Landes geschlossen. Miloslav verdiente seinen ersten Lebensunterhalt als Automechaniker und begann nach dem Abschluss seines Militärdienstes das Studium der Archivkunde an der altehrwürdigen Karls-Universität in Prag (gegründet 1348). 1960 durfte er mit dem Theologiestudium beginnen, 1968 wurde er zum Priester geweiht.
Wie Vielen seiner Mitbrüder war ihm eine öffentliche, seelsorgliche Tätigkeit verwehrt: Die Kirche hatte sich in eine romtreue und eine staatliche Seite aufgespalten. Der spätere Erzbischof von Prag nahm eine Stelle als Fensterputzer verschiedenster Geschäfte an.
„Manche der Verkäuferinnen wussten natürlich, was ich wirklich bin. Sie haben oftmals die Kontakte hergestellt, Leute angerufen, von denen sie wussten, sie wollen mit einem Priester sprechen, und ihnen gesagt, in welcher Straße, an welchem Geschäft ich gerade arbeite. Auf der Straße zu stehen, war nicht weiter auffällig, sollte uns jemand beobachten. Später wurde auch das schwierig. Ich hatte mir überlegt, wo kann ich nun hingehen, an welchem Ort würden solche Zusammenkünfte nicht weiter auffallen und verdächtig wirken. So ging ich ins Bezirksgericht. Auf den langen Gängen saßen ja immer Menschen und warteten. Dort kam meine Seelsorge niemandem verdächtig vor“, erzählt Kardinal Vlk.

Die Aussöhnung der beiden Teile der Kirche, der geheimen, romtreuen im Untergrund und der staatlichen, kommunistisch-kontrollierten, sollte eine der Hauptaufgaben des späteren Kardinals werden. Seine Position ist jene der Mitte: Im Untergrund konnte man Widerstand leisten und riskierte viel - in dem Versuch der Zusammenarbeit mit den Kommunisten konnte man im öffentlichen Raum der Gesellschaft präsent bleiben.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Miloslav Vlk 1990 Bischof der Stadt Budweis; 1991 Nachfolger von Frantisek Tomasek als Erzbischof von Prag, 1994 zum Kardinal kreiert, mit der Titelkirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom. Sein jetziger Aufenthalt in Jerusalem schließt diesen Bogen.
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