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Tempelbergmodelle erstrahlen in neuem Glanz

Historische Modelle wurden mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes restauriert

Von Stephan Mock

 

Die berühmten Jerusalemer Tempelbergmodelle des deutschen Architekten und Archäologen Conrad Schick erstrahlen wieder in neuem Glanz. Die Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Modelle, die sich im Besitz des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande befinden, wurden im vergangenen Winter aufwändig restauriert. Ermöglicht wurden die dringend notwendigen Restaurierungsarbeiten durch die großzügige Unterstützung des Kulturerhaltprogramms des Auswärtigen Amtes. Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande ist dem Auswärtigen Amt und insbesondere dem Deutschen Vertretungsbüro in Ramallah hierfür sehr dankbar.

Die Modelle wurden um 1895 von dem württembergischen Missionar, Architekten und Archäologen Conrad Schick (1822-1901) in Jerusalem geschaffen. Schick, der sich über mehrere Jahrzehnte mit der Geschichte und Topografie des Jerusalemer Tempelberges beschäftigte, ließ sein gesamtes Wissen in diese Modelle der Anlage einfließen. Durch Entfernen und Hinzufügen einzelner Modellteile können die baulichen Veränderungen vom Salomonischen Tempel bis zum Zustand um 1895 im Maßstab 1:200 dargestellt werden und so die 3000-jährige Baugeschichte des Tempelberges veranschaulicht werden.

 

Die Modelle geben in einzigartiger Weise Zeugnis von der Arbeit des deutschen Forschers Conrad Schick. Wie kein Zweiter hatte er über mehrere Jahrzehnte uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Tempelberges, da er für die muslimische Verwaltung des Platzes Vermessungs- und Restaurierungsarbeiten durchführte. Für seine Verdienste um die Palästinawissenschaft und seine Leistungen als Architekt, zu denen u.a. die Planung des jüdisch-orthodoxen Stadtviertels Mea Shearim gehört, wurde Schick der Titel eines königlich-württembergischen Baurats sowie der Ehrendoktor der Universität Tübingen verliehen. Die Stadt Jerusalem ehrte ihn mit der Benennung einer Straße in unmittelbarer Nähe des Paulus-Hauses.

Geboren und aufgewachsen in Bitz bei Ebingen (Württemberg) siedelte Conrad Schick nach seiner Vorbereitungszeit zum Missionarsdienst 1846 nach Jerusalem über. Seit 1850 arbeitete er für das Industriehaus der London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews. Diese Tätigkeit ließ ihm Zeit für intensive Studien auf dem Gebiet der Archäologie, Architektur und Stadtplanung. Schnell erwarb er sich den Ruf eines weltweit angesehenen Spezialisten der Palästinaforschung. Für Wissenschaftler auf diesem Gebiet gehörte es zum Pflichtprogramm einer Jerusalem-Reise, dem Autodidakten Schick einen Besuch abzustatten. Aufgrund seiner persönlichen Kontakte sowie seiner wissenschaftlichen Produktivität – allein im Palestine Exploration Fund Quarterly Statement erschienen 200 Berichte und Artikel von ihm – hatte Schick in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung und Erforschung Jerusalems. Conrad Schick ist zweifellos einer der bedeutendsten deutschen Palästinaforscher des 19. Jahrhunderts.

 

Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande ist seit 1952 im Besitz von zwei der drei noch existierenden Exemplare seiner Tempelbergmodelle. Sie befinden sich im vereinseigenen Paulus-Haus in Jerusalem. Bereits zu Lebzeiten von Conrad Schick waren die Modelle eine Touristenattraktion. Sie überlebten die Wirren der kriegerischen Auseinandersetzungen in Jerusalem, waren jedoch seit den 1930er Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich. Die provisorische Präsentation in den Räumen des Paulus-Hauses seit Mitte der 1990er Jahre wurde in den letzten Jahren immer wieder durch Ausstellungsaufenthalte in Europa unterbrochen.

Durch unsachgemäße Lagerung und Transport, starke Verschmutzung und mangelhafte Ausbesserungen befanden sich die Modelle in einem äußerst schlechten Zustand. Bei der nun erfolgten Restaurierung durch die Restauratoren der Paderborner Werkstatt ars colendi wurden alle Modellteile fachkundig gereinigt und stabilisiert sowie fehlende Stellen ergänzt. An den Modellteilen, die nicht mehr die originale Farbgestaltung aufwiesen, wurde ein neuer, der ursprünglichen Farbgebung nachempfundener Anstrich aufgebracht.

In Zukunft sollen die Modelle zusammen mit der „Sammlung Prälat Läufer“ zur Archäologie des Heiligen Landes in einer Dauerausstellung des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande auf dem Gelände des Paulus-Hauses in Jerusalem gezeigt werden. Bis dahin werden die Tempelbergmodelle in den Kellerräumen des Paulus-Hauses provisorisch ausgestellt und können nach Voranmeldung im Paulus-Haus besichtigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

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