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100 Jahre Marienkirche auf dem Zion

Der Deutsche Verein vom Heiligen Lande feiert das 100. Kirchweihjubiläum seines Marienheiligtums auf dem Zionsberg

Von Stephan Mock

 

Hell leuchteten die gelb-weißen Fahnen vom Turm der Dormitioabtei am Morgen des 10. April in der Sonne und kündeten der Stadt Jerusalem ein besonderes Ereignis an: Auf den Tag genau vor 100 Jahren war die Marienkirche auf dem Berg Zion zu Ehren der Gottesmutter Maria und zum Andenken an den Ort ihrer Entschlafung geweiht worden. Wie damals versammelte sich auch jetzt wieder eine große Festgemeinde zu einem feierlichen Pontifikalamt.

Abt Benedikt Lindemann begrüßte in der bis auf den letzten Platz gefüllten Abteikirche zahlreiche geistliche und weltliche Würdenträger, darunter der Lateinische Patriarch, Erzbischof Fuad Twal, der Custos des Heiligen Landes, Pierbattista Pizzaballa, der Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, der Nuntius des Heiligen Stuhls, Erzbischof Antonio Franco, und der Deutsche Botschafter in Israel, Harald Kindermann. Besonders herzlich begrüßte der Abt Prinzessin Marie Louise von Preußen und ihren Gatten Graf Rudolph von Schönburg. Ihr Urgroßvater, der deutsche Kaiser Wilhelm II., hatte das Grundstück für den Bau der Dormitio 1898 vom Osmanischen Sultan erhalten und dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande übergeben.

 

Wie es vor 100 Jahren der  Lateinische Patriarch Filippo Camassei gewesen war, der die Kirche weihte, so leitete sein Nachfolger, Erzbischof Fuad Twal, nun den Festgottesdienst zum Kirchweihjubiläum. In seiner Predigt hob der Patriarch die besondere Verbundenheit der Ortskirche mit der Dormitio hervor und dankte den deutschen Christen für ihr Engagement: „Durch die Präsenz und das Ge- bet unserer Benediktiner vom Zion möge der Segen Gottes besonders zu allen Deutschen hier im Heiligen Land und darüber hinaus gelangen, denn den deutschen Christen verdanken wir ihr Hiersein.“

Im Anschluss an die Eucharistiefeier überbrachte Rudolf Solzbacher vom Vorstand des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande die Grüße seines Präsidenten, Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Mit dem Bau der Kirche Dormitio Beatae Mariae Virginis auf dem Zionsberg sei der lang gehegte Wunsch des katholischen Deutschlands in Erfüllung gegangen, mit einem eigenen Kirchbau teilzuhaben an einem Heiligtum in Jerusalem. Der mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Erliegen gekommene weitere Innenausbau verbleibe, mit der Gestaltung des Altarraumes und der Krypta unter veränderten liturgischen und ästhetischen Bedingungen, als Aufgabe für das kommende zweite Zentenarium, so der Präsident des Vereins in seinem Grußwort.

 

Weitere Grußworte richteten Botschafter Kindermann, Abtprimas Wolf, Probst Uwe Gräbe von der Evangelischen Gemeinde der Erlöserkirche und Frau Resi Borgmeier vom Freundeskreis der Abtei an die Festgemeinde. Anschließend zogen alle zum Klang des Marienliedes „Salve, mater misericordiae“ in einem Prozessionszug in die Krypta zum Bildnis der entschlafenen Gottesmutter. In der weihrauch-schwangeren Krypta erteilte dann der Patriarch den Schlusssegen und die Gemeinde stimmte wie vor 100 Jahren das „Te Deum“ an.

Als Festgabe erhielten alle Teilnehmer eine weiße Rose und einen Nachdruck der Erinnerungskarte von 1910. Diese Ansichtskarte zeigt in vier Medaillons die damals neue Marienkirche auf dem Zion, den nur wenige Meter entfernten Abendmahlssaal sowie den Petersdom und den Kölner Dom. Die Symbolik dieser Festgabe des Vereins erläuterte Kardinal Meisner in seinem Grußwort: „Die deutschen Katholiken feiern, stets in Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater, in der neuen Kirche die mit diesem Ort traditionell verbundenen Heilsgeheimnisse, nämlich das Letzte Abendmahl, das Ausharren der Urgemeinde im Gebet bis zur Herabkunft des Heiligen Geistes und den Todesschlaf der Mutter des Herrn.“

 

Nach dem fast zweieinhalbstündigen Festgottesdienst stärkten sich die Teilnehmer bei einem Empfang am orientalisch- europäischen Buffet im Hof und in der Cafeteria der Abtei. Hier kam es zu zahlreichen Begegnungen und fröhlichen Wiedersehen. Mit den Benediktinern, den Vertretern der Einrichtun- gen des Vereins, den zahlreichen Partnern wie den Borromäerinnen aus der Deutschen Kolonie, den Salvatorianern aus Cremisan, den Schulbrüdern von der Universität Bethlehem und den Salvatorianerinnen aus Nazareth (um nur einige wenige zu nennen), den Mitarbeitern, Zivildienstleistenden und Volontären des Vereins, Mitgliedern des Ritterordens vom Heiligen Grabe sowie zahlreichen Pilgern wurde der festliche Empfang in der Abtei zu einem großen Familientreffen.

 

Am Nachmittag hatte der  Heilig-Land-Verein dem Festprogramm von 1910 folgend zur  Kaffeetafel ins Paulushaus eingeladen. Hier begrüßten die Leiterin des Hauses, Schwester Heidrun Raabe, und der Generalsekretär des Vereins, Heinz Thiel, der gemeinsam mit dem geistlichen Leiter, Monsignore Helmut Daniels, aus Köln angereist war, die über 100 Gäste. Rudolf Solzbacher überbrachte der Festversammlung die frohe Nachricht, dass der Präsident des Vereins, Kardinal Joachim Meisner, die stolze Summe von 100.000 Euro für die Ausgestaltung des Altarraums der Dormitio gestiftet habe.

 

Wenn nun die deutschen Katholiken nach Kräften mithelfen, wird die Ausgestaltung der Kirche, die durch die Auswirkungen zweier Weltkriege und der kriegerischen Auseinandersetzungen im Heiligen Land bis heute nicht fertig gestellt werden konnte, im kommenden Jahrzehnt vollendet werden können. Denken wir, die wir heute zur Mithilfe aufgerufen sind, an die Opferbereitschaft unserer Vorfahren, die vor 100 Jahren den Bau der herrlichen Marienkirche auf dem Zion mit ihren großherzigen Spenden ermöglicht haben!

 

 

 

 

 

 

 

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