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Schwester Ruth Reißig wurde verabschiedet
Wechsel in der Leitung des Jerusalemer Paulus-Hauses
Von Erich Läufer
Wenn 12 eine biblische Vollkommenheitszahl ist, dann hat Schwester Ruth Reißig zwölf Jahre als Leiterin das Paulus-Haus vollkommen geleitet. Als Ordensfrau gehört sie zur Congregatio Jesu, die auch unter dem Namen Maria-Ward- Schwestern oder „Englische Fräulein“ bekannt sind. Das Paulus-Haus ist das Gästehaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und liegt unmittelbar am berühmten Jerusalemer Damaskustor. Seit 1989 hat der Verein den Maria-Ward-Schwestern die Leitung des Hauses übertragen. Die vielen Gäste aus aller Welt wissen, was sie an Schwester Ruth „hatten“. Freundlich war sie, hilfsbereit und immer mit einem Auge bei den Gästen, damit denen der Aufenthalt im Haus so gut wie möglich bekommen sollte. Die Zeiten ihrer Leitung waren nicht immer einfach. Nicht nur wegen v ieler anstehender Reparaturarbeiten, Neuanschaffungen und Verschönerungen im Haus und in den Gästezimmern. Schwester Ruth hat auch die schlimmen Zeiten der Intifada miterlebt. Im Libanonkrieg hat sie kurzfristig Behinderte aus dem Norden Israels ins Haus aufgenommen, weil deren Unterkünfte von Raketen bedroht waren. Vor allem in der zweiten Intifada nahm sie sich vieler Menschen an, die in Not geraten waren.
Schon früher hatte sie eine Nothilfekasse gegründet, um über viele Jahre hinweg hilfsbedürftigen Christen im Heiligen Land zu helfen. Alles, was ihr und den anderen Schwestern bei der Abreise von Pilgern „als Dankeschön“ in die Hände gelegt wurde, war für diesen Zweck. Als Priester mit ihr und dem kleinen Konvent in der Hauskapelle die Heilige Messe zu feiern, war immer etwas Besonderes: Schwester Ruth ist begabt mit einer schönen Gesangsstimme und schaffte es, dass die kleine Gemeinschaft sogar mehrstimmig das Lob Gottes erklingen ließ. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen: „Schwester Ruth war die Seele des Hauses.“
Nun kehrt die Siebzigjährige wieder nach Deutschland zurück. Aber nicht in den Ruhestand, sondern sie wird ein ordenseigenes Altenheim in München-Pasing leiten. Bei der Abschiedsfeier hat Bernd Mussinghoff, der Jerusalem-Vertreter des Deutschen Vereins, unser aller herzlichen Dank ausgesprochen. Ich bin sicher, dass viele gute Wünsche derer, die ihr das nicht persönlich haben sagen können, es mit einem dankbaren Erinnerungsgruß nach München-Pasing tun.
Dankbar sind die Verantwortlichen des Deutschen Vereins aber auch der Ordensgemeinschaft und der Generaloberin, Schwester Francis, die dafür sorgte, dass der Übergang zur neuen Leiterin problemlos verlief. Wer jetzt das Paulus-Haus besucht, findet in Schwester Heidrun Raabe eine neue Oberin und Leiterin des Traditionshauses. Bis zu ihrem Wechsel ins Heilige Land hat Schwester Heidrun 13 Jahre die Maria-Ward- Schule in Mainz geleitet. Diese Erfahrung wird ihr und allen Beteiligten helfen in der Mitverantwortung als Trägervertreterin vor Ort in der Führung und Entwicklung der Schmidt-Schule. Mit den besten Wünschen für sie und für die Gemeinschaft der Mitschwestern wird nun ein neues Gesicht und eine führende Hand unser Gästehaus auch weiterhin zu einem Stück Heimat in Jerusalem machen und im Namen des Vereins für eine weitere vorzeigbare Entwicklung der Schmidt-Schule mitsorgen.
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