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Die Menorah – der siebenarmige Tempelleuchter
Über das älteste Symbol des Judentums
Von Erich Läufer
Die vielleicht eindrucksvollste Abbildung der Menorah, des siebenarmigen Leuchters aus dem Jerusalemer Tempel der Zeit Jesu, finden wir in Rom. Auf dem Titusbogen sieht man heimkehrende römische Soldaten aus dem Feldzug gegen die Juden, wie sie den siebenarmigen Leuchter auf ihren Schultern tragen. Der Titusbogen ist das Triumphportal für den siegreichen Feldherrn, der im Jahr 70 nach Christus den jüdischen Aufstand niedergeschlagen und den Tempel in Brand gesteckt hatte. Die Menorah wurde als Kriegsbeute nach Rom verschleppt.
Im Alten Testament lesen wir, wie Gott während der Wüstenwanderung Mose beauftragte, einen Leuchter mit sieben Lampen machen zu lassen (Ex 25,31 ff). Er gehörte für Generationen zum Kultgerät im Stiftszelt. Später stellte König Salomon zehn Leuchter in dem von ihm erbau- ten Tempel auf. Seit der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier sind sie verschollen. Als dann das jüdische Volk aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrte, sollte der Tempel wieder aufgebaut werden und in seinen Räumen auch die Menorah stehen. In einer Vision des Propheten Sacharja wird nachdrücklich auf diesen Leuchter, den der Prophet zwischen zwei Ölbäumen sieht, hingewiesen (Sach 4,1-10).
Die Siebenzahl des Leuchters ist Sinnbild der sechs Schöpfungstage und des Shabbat als dem göttlichen Ruhetag. Zudem wurden Licht und Lampe oft als symbolische Veranschaulichung Gottes betrachtet: „Denn du bist meine Leuchte, Herr, mein Gott lässt meine Finsternis leuchten“ (2 Sam 22,29). Die Ölbäume in der Sacharja-Vision stehen für das Lebenssymbol des Ölbaums, so wie die Taube mit dem grünen Ölzweig nach der Sündflut als Zusage Gottes für neues Leben und Frieden verstanden wird.
Als die Syrer im Jahr 167 v. Chr. Jerusalem angriffen und im Tempel heidnische Götzendienste vollzogen, geschah das Ölwunder, von dem nicht nur fromme Juden bis heute erzählen und überzeugt sind: Ein nur noch für einen Tag reichender Ölvorrat ließ den siebenarmigen Leuchter aber acht Tage lang ununterbrochen brennen, bis Judas Makkabäus die götzendienerischen Heiden aus dem Tempel vertrieben hatte. Alljährlich feiern Juden als Erinnerung an dieses Geschehen das achttägige Chanukkafest. Manche nennen es, von Flavius Josephus an- gestiftet, auch Lichtfest. Im heutigen Israel ist es ein beliebtes Familienfest geworden, bei dem der Chanukkaleuchter oft sichtbar ins Fenster gestellt wird. Der Chanukkaleuchter ist achtarmig, um an die acht Tage des Wunders zu erinnern.
Dass im prachtvollen Tempel des Herodes des Großen ein ebenso prunkvoller Menorah- Leuchter stand, ist fast selbstverständlich. Die Menorah wurde in der Antike zum häufigsten jüdischen Symbol. Sie erscheint auf Kleinmünzen des jüdischen Königs Mattatias Antigonos (40-37 v. Chr.) und als steinernes Relief in den Ruinen der Synagoge von Chammat bei Tiberias (3. Jh. n. Chr.). Die Menorah nun als Kriegsbeute auf dem Titusbogen zu sehen, musste als Zeichen der völligen Unterwerfung der Israeliten verstanden werden, denn mit der Verwüstung des Tempels glaubte man auch den Gott der Juden geschlagen zu haben. 1948 wurde auf historischem Boden der Staat Israel ausgerufen und gegründet. Neben dem Parlamentsgebäude, der Knesset in Jerusalem, steht seitdem die große Skulptur eines siebenarmigen Leuchters. Die Menorah zwischen zwei Ölbäumen schmückt zudem das Wappen des modernen jüdischen Staates. So war bei jüdischen Archäologen die Freu- de denn auch groß, als bei Ausgrabungen im Herbst 2009 in Magdala die Abbildung einer Menorah auf dem Steinquader einer Synagoge aus der Zeit zwischen 50 v. Chr. und 70 n. Chr. gefunden wurde.
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