1001_generalversammlung

 

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Bericht zur Generalversammlung des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande am 11. November 2009

(für den Zeitraum November 2008 bis Oktober 2009)

Heinz Thiel, Generalsekretär

 

Aus dem Bericht dokumentieren wir wichtige Passagen:

Ich beginne mit einem Blick auf den Bereich der »Pilger- und Studienreisen«, den wir in den Jahren 2008 und 2009 weiter ausbauen und entwickeln konnten. Nachdem bereits im Jahr 2008 eine deutliche Steigerung der Teilnehmerzahl auf 1.565 Personen erfolgt ist, haben sich im Jahre 2009 insgesamt 1.884 Pilgerinnen und Pilger mit dem Deutschen Verein auf den Weg gemacht.

Ungefähr drei Viertel der insgesamt 64 Gruppen sind dabei ins Heilige Land, das heißt: nach Israel und Palästina, Jordanien und Syrien, gereist. Daneben gab es einzelne Gruppen mit den Reisezielen Türkei, Sizilien und Rommit Assisi. Die wachsende Zahl der Gruppen und Pilger erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und Planung. Das galt in besonderer Weise für die Großgruppen aus den (Erz-)Diözesen Limburg, Köln, Essen und dem Bistum Trier, die im Frühjahr und Herbst dieses Jahres mit insgesamt 365 Teilnehmern eine Pilgerfahrt ins Heilige Land unternommen haben.

 

Mit diesen so genannten Sternwallfahrten haben wir den durch die Reise der Deutschen Bischofskonferenz im Jahre 2007 gesetzten Impuls aufgegriffen und für zahlreiche Pilger aus den beteiligten Bistümern das Heilige Land erfahrbar gemacht. Dass die Organisation dieser Reisen – die als Großgruppen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine besondere Herausforderung darstellten – sehr gut gelungen ist, belegen zahlreiche begeisterte und vielfach schriftlich geäußerte Rückmeldungen, die wir in den vergangenen Wochen erhalten haben. Nicht zuletzt die überwältigende Zahl von über 560 Besuchern unserer diesjährigen Reisebörse und des Pilgertreffens am 8. November im Maternushaus ist ein weiterer Hinweis darauf, dass unsere Angebote im Reisebereich gerne und dankbar angenommen werden. Wir bemühen uns verstärkt, den wachsenden individuellen Wünschen der Pilgerleiter und -gruppen bei der Planung, Gestaltung und Durchführung der Reisen zu entsprechen. Wir werden uns mehr Zeit nehmen für die inhaltliche Gestaltung der Programme, für die Planung alternativer Reiseverläufe, für neue Akzente und pastorale Schwerpunkte. Auch die Gespräche mit den Pilgerleitern und Pfarrern sowie die Vortreffen der einzelnen Gruppen in der Vorbereitung auf die Reisen werden wir intensivieren. Dies ist nicht immer leicht, da – anders als in früheren Jahren – die Planung vieler Reisen mit deutlich kürzeren Vorlaufzeiten erfolgt. Auch die Anmeldung der Teilnehmer geschieht oft später und kurzfristiger, was wiederum die Detailorganisation erschwert. Die ermutigenden Erfahrun- gen in diesem Jahr lassen uns hoffen, dass wir auch im kommen- den Jahr mit unseren beiden Gästehäusern, dem Paulus-Haus in Jerusalem und dem Pilgerhaus in Tabgha, einen Beitrag zu dem leisten können, was Papst Benedikt XVI. während seiner Pilgerreise im Mai diesen Jahres in Jerusalem so formulierte: »Pilger und Besucher suchen auf den Spuren Jesu im Heiligen Land Inspiration und Erneuerung. Der Text des Evangeliums wird, wenn man ihn an seinem historischen und geografischen Ort betrachtet, lebendig und voll Farbe, und man erlangt ein besseres Verständnis der Bedeutung von Jesu Worten und Taten.«

 

Im letzten Jahr habe ich ausführlich über die Struktur und die Zielrichtung der Arbeit im Bereich der Freiwilligendienste informiert. Ich möchte nun lediglich die weitere positive Entwicklung in diesem Handlungsbereich durch einige Zahlen verdeutlichen: Im Berichtszeitraum haben insgesamt 108 (92 im Vorjahr) Volontäre die Möglichkeit eines befristeten Freiwilligendienstes im Heiligen Land genutzt und an insgesamt 11 verschiedenen Einsatzorten (darunter den 5 ver- einseigenen Einrichtungen) ihren unterstützenden Dienst getan. 56 Volontäre im Alter von 18 bis 27 Jahren haben dabei mit einer Einsatzdauer von 10 bis 13 Monaten, 16 Freiwillige mit einem abgeschlossenen Studium oder einer Berufsausbildung mit einer Einsatzdauer von 3 bis 12 Monaten und 36 in Kurzeinsätzen von 3 bis 6 Monaten in den verschiedenen sozialen, pastoralen und karitativen Einrichtungen mitgewirkt. Die von Frau Stefanie Langel konzipierten und durchgeführten Auswahl-, Einführungs-, Begleitungs- und Rückkehrerseminare tragen, neben der Gewährleistung aller mit diesem Einsatz verbundenen administrativen und organisatorischen Elemente, entscheidend dazu bei, dass diese Volontariate sowohl für den Freiwilligen selbst als auch für die Einsatzstellen gelingen und zielführend sind.

Besonders erfreulich ist auch die Entwicklung im Hinblick auf die Förderkreise, in denen der Freiwillige für die Dauer seines Volontariats im Familien- und Freundeskreis zur Unterstützung seines Einsatzes um Spendenbeiträge wirbt. 97 Förderkreise (mit insgesamt 293 Einzelspendern) konnten im Zeitraum von November 2008 bis November 2009 aufgebaut und von Seiten des Generalsekretariates aus mitverwaltet werden. Diese tragen mittlerweile spürbar zur finanziellen Absicherung dieses Bereiches bei.

 

Der Aufbau von Förderkreisen in der Zielgruppe der Erwachsenen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die Finanzierung einzelner Einsätze durch das Programm »Weltwärts« sowie die anteilige Finanzierung der Auswahl-, Vorbereitungs- und Rückkehrerseminare mit Drittmitteln sind unsere Perspektiven, an denen es weiter zu arbeiten gilt.

Neben Mitgliedsbeiträgen und den zahlreichen Einzelspenden ist die alljährliche Palmsonntagskollekte die entscheidende finanzielle Basis für den zentralen Bereich der Vereinsarbeit: unsere Tätigkeit als Hilfswerk. Nach den stabilen Einnahmen in den Jahren zuvor hatten wir in 2008 eine nur leicht rückläufige Tendenz zu verzeichnen. Auch für 2009 können wir auf ein vergleichbares Ergebnis wie in 2008 hoffen; wahrscheinlicher ist freilich ein leichter Rückgang. Das unterstreicht deutlich die Notwendigkeit zur zukünftigen Absicherung unserer Arbeit, auch ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Einen Weg, den Vorstand und Verwaltungsrat unter anderem mit der Gründung der »Heilig-Land- Stiftung« schon beschritten haben, auf dem aber noch viel an Arbeit vor uns liegt. Wir werden in den kommenden Jahren die für unsere Anliegen werbenden Anstrengungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Fundraising deutlich verstärken und entsprechend neue Maßnahmen zur Akquisition von Mitteln entwickeln, umsetzen und ergreifen. Kontinuierlich und für die Träger und Projektpartner verlässlich konnten wir im Berichtszeitraum wiederum einige Einrichtungen im Bereich der Erziehungs- und Bildungsarbeit fördern: Neben der Peter-Nettekoven-Schule in Beit Sahur, der Griechisch-Katholischen Patriarchatsschule in Ramallah, dem Kindergarten/der Vorschule St. Charles in Jerusalem gehört zu diesem Bereich insbesondere unsere jährliche Unterstützung der Bethlehem-Universität. Das Fördervolumen betrug hier insgesamt ca. 174.500 Euro.

Im Bereich des Gesundheitswesens (im weitesten Sinne) konnte eine regelmäßige Förderung des Waisenhauses/der Kinderkrippe »Crèche Bethlehem«, des St. Louis-Hospitals in Jerusalem, des Heimes für schwerstbehinderte Kinder St. Vinzent in Ain Karem, der Poliklinik »Emmaus Ave« in Kubeibe sowie hier insbesondere auch des Caritas Baby Hospitals in Bethlehem erfolgen. Hier betrug die Fördersumme insgesamt ca.118.050 Euro. An unmittelbaren Nothilfen für christliche Familien, die u. a. auch über die in unseren vereins- eigenen Einrichtungen tätigen Ordensgemeinschaften geleistet werden, konnten wir Beiträge von insgesamt ca. 19.500 Euro leisten.

 

Im Bereich der außerschulischen Jugendbildung konnten wir mit einer Fördersumme von 27.000 Euro die Durchführung von Jugendfreizeitmaßnahmen und Sommercamps sowie Begegnungsprogramme und Einrichtungen der Jugendpastoral (in diesem Jahr vornehmlich in Jerusalem) unterstützen. Zudem möchte ich beispiel- haft den Baukostenzuschuss zur Dachsanierung des Klostergebäudes des St. Charles-Hospiz in Jerusalem sowie unseren Zuschuss zur Sanierung des Gästehauses der Basilianer Salvatorianer in Damaskus erwähnen.

Naturgemäß lag der Schwerpunkt unserer Förderung im vergangenen Jahr bei den vereinseigenen Einrichtungen mit ihren je eigenen Aufgabenbereichen: der Benediktinerabtei »Dormitio« mit der Basilika, dem Theologischen Studienjahr und dem Kloster in Tabgha, den beiden Gästehäusern »Pilgerhaus Tabgha« und dem »Paulus-Haus« in Jerusalem, dem Altenpflegeheim Beit Emmaus in Kubeibe mit der Pflegeschule sowie der Schmidt-Schule in Jerusalem. Mit dem Fördervolumen von insgesamt ca. 789.000 Euro konnten wir daran mitwirken, dass Rahmenbedingungen geschaffen wer- den, die der inhaltlichen und der konzeptionellen Weiterentwicklung der Arbeit in diesen Einrichtungen dienen.

Insgesamt stellen wir fest, dass neben der finanziellen Förderung die Nachfrage nach Unterstützungsleistungen in den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen im Heiligen Land nach Beratung und Begleitung in organisatorischen, alltagspraktischen, aber auch inhaltlichen und konzeptionellen Fragen zur Weiterentwicklung in der Arbeit wächst. In diesen Prozessen, die u. a. die Klärung von Rechtsfragen, Fragen zur Personalentwicklung sowie die Förderung und Mitgestaltung der Kommunikation und Kooperation der Einrichtungen mit einschließt, kommt der Arbeit des Jerusalem-Büros eine zunehmende Bedeutung zu.

 

Der Neubau des Klosters in Tabgha war wieder ein Schwerpunkt der Beratungen in unseren Gremien. In der 13. Sitzung der Baukommission konnten wir nach Klärung der letzten und dann doch noch komplizierten Details mit den Behörden zur Baugenehmigung, nach dem umfangreichen und gründlichen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, den weiteren Planungsoptimierungen und den Regelungen bezüglich der Bauleitung vor Ort, den Termin für den Baubeginn für den 15. Mai 2009 festlegen. Der erste Spatenstich wurde getan und mittlerweile liegen auch die ersten Fundamente für den weiteren Bau. Wir sind froh, dem Ziel eines neuen Klosters für die benediktinische Ordensgemeinschaft am Ort der Brotvermehrung in Tabgha immer näher zu kommen. Günstige Rahmenbedingungen vorausgesetzt, rechnen wir mit einer Bauzeit von nunmehr noch 2 Jahren. Betonen möchte ich, dass wir nach wie vor bei der Realisierung auch weiterhin auf jedwede Unterstützung und Spender angewiesen sind und wir werben gemeinsam mit den Benediktinern kräftig für die noch notwendigen Finanzierungsanteile.

Im Paulus-Haus in Jerusalem lagen die Entwicklungen im vergangenen Jahr sicher nicht in den verschiedenen baulichen, sondern in den personellen Veränderungen: Nach über 12 Jahren als Oberin legte Schwester Ruth Reißig die Verantwortung in der Leitung des Gästehauses und die Mitverantwortung als Vertreterin des Trägers vor Ort für die Schmidt-Schule am 1. September in die Hände ihrer Mitschwester Heidrun Raabe.

 

Schwester Ruth hat in ihrer Art das Paulus-Haus als gute Herberge für die vielen Pilger und unterschiedlichen Bewohner in diesen Jahren entscheidend geprägt und vieles im, am und um das Paulus-Haus herum entwickeln und gestalten können. Ihr Rückblick auf diese 12 Jahre in ihrem Jahresbericht lässt dabei nur einiges von dem deutlich werden, was von ihr in dieser Zeit alles geleistet wurde. Auf einer Verabschiedungsfeier vor wenigen Wochen in Jerusalem und im Rahmen unserer Reisebörse, dem Pilger- und Mitgliedertreffen im Maternushaus, konnten wir die Verdienste von Schwester Ruth würdigen und ihr den tief empfundenen Dank für ihren so engagierten Dienst im Heiligen Land aussprechen. Sehr dankbar sind wir der Ordensgemeinschaft der Congregatio Jesu dafür, dass mit Schwester Heidrun Raabe eine kompetente Nachfolgerin den Dienst in Jerusalem bereits antreten konnte.

 

Wenn ich in diesem Jahr nicht näher auf die durchaus berichtenswerten Themen- und Arbeitsbereiche wie auf die Mitgliederentwicklung und -betreuung, auf die Finanzverwaltung, auf die Öffentlichkeitsarbeit mit unserem oft gelobten Aushängeschild der Mitgliederzeitschrift, die von Prälat Erich Läufer gestaltet wird, auf die Arbeit in den Diözesanverbänden und auf die Zusammenarbeit mit der wachsenden Zahl unserer Kooperationspartner eingehe, so zeigt dieser Rück- blick auf ein Arbeitsjahr den- noch, wie breit und vielfältig angelegt das unserer Satzung zugrunde liegende Engagement ist. Was die unterschiedlichen Charismen, Aufgaben und Arbeitsbereiche in den vereinseigenen Einrichtungen angeht, bin ich oft gefragt worden, worin denn das Gemeinsame liegt. Ich denke, bei aller Differenziertheit geht es immer um die Stärkung der christlichen Präsenz im Heiligen Land. Und es wird ein engagierter »Dialog des Lebens« geführt: ein Dialog mit Juden und Muslimen, mit Israelis und Palästinensern, mit starken und schwachen, gesunden und kranken, jungen und alten Menschen, um auf der Basis unseres Glaubens als Christen einen Beitrag zur Verständigung und Versöhnung im Ursprungland unseres Glaubens leisten zu können. Gemeinsame Aufgabe bleibt es, auch vor allem in Deutschland, Pilger und Freiwillige, Mitglieder und Spender, die kirchliche und weltliche Öffentlichkeit wach und sensibel zu machen für dieses Anliegen.“

 

 

 

 

 

 

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