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Jahresbericht 2009 der Dormitio Abtei in Jerusalem

Von Pater Jonas Trageser, Prior OSB

 

Im Blick auf die Generalversammlung des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande am 11. 11. 2009, bei der dieser Bericht vorliegen soll, schauen wir zurück auf die Ereignisse und Ergebnisse des bereits zurückliegenden Jahres und halten ein wenig Ausschau.

- Unsere Gemeinschaft der Benediktiner auf dem Zion, in Tabgha und in Hildesheim besteht zur Zeit aus 24 Mitgliedern:

  • 15 feierlichen Professen
  • 1 Klaustraloblaten
  • 5 zeitlichen Professen
  • 1 Novizen
  • 1 Postulanten
  • 1 Kandidaten

Von den 24 Mitgliedern der Gemeinschaft sind zurzeit fünf in Tabgha. P. Ralph als Prior, P. Basilius, P. Zacharias, P. Matthias, Br. Franziskus.

P. Ralph ist seit Frühjahr dieses Jahres in Tabgha Prior. Leider musste er seinen Dienst infolge einer Krankheit unterbrechen. Wir hoffen, dass er bald wieder an Ort und Stelle sein kann und auch den Klosterneubau beaufsichtigen und von Seiten der Mönche in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Vereins und der Bauaufsicht begleiten kann. P. Basilius wird auf den Zion zurückkehren und seine Aufgabe als Leiter der Begegnungsstätte Nicole übertragen, um hier verschiedene Aufgaben zu übernehmen.

Nicole war schon seit einem Jahr die Mitarbeiterin von P. Basilius und ist somit mit dieser Tätigkeit vertraut. Ihr zur Seite stehen eine ganze Reihe von Frei- willigen über den DVHL, zwei Shalom Boten aus Freiburg und ein Volontär aus den USA. Seit der Übertragung des Priorenamtes an P. Ralph in Tabgha hat Abt Benedikt wieder seine Stabilitas in der Dormitio in Jerusalem. P. Johannes Maria doktoriert eifrig in Sant Anselmo in Rom mit zeitweiligen längeren Aufenthalten in Moskau, da seine Arbeit ein Thema dieses russischen Kulturbereiches umfasst.

Br. Nikodemus ist aus Wien (Schottenstift) von seinem Studienaufenthalt nach Jerusalem zurückgekehrt, um hier sein Doktorat zu beenden. Zwischenzeitlich feierte er seine Feierliche Profess und am vergangenen Erzengelfest seine Diakonenweihe, die Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, Fulda, sein langjähriger Subregens, vornahm.

Bruder Lukas, der in Sant Anselmo sein Theologiestudium mit Sprachensemestern begann, musste durch eine Krankheit dieses abbrechen und wird nun eine Zeit im Europakloster Gut Eich am Wolfgangsee in Österreich verbringen.

Vier Brüder leben zurzeit im Haus Jerusalem in Hildesheim: P. Thomas als Leiter des Hauses und der Gemeinschaft, P. Jeremias als Krankenhausseelsorger im Bernward Krankenhaus, Br. Samuel als ständiger Diakon mit Aufgaben im Pfarrverbund Zum Heiligen Kreuz, P. Jakobus als Krankenhausseelsorger im Städtischen Krankenhaus Hildesheim.

 

Ereignisse

Zwei Visitationen standen uns ins Haus:

1. Kanonische Visitation durch Abtprimas Notker Wolf, Rom, und Abtpräses Albert Schmitt, Beuron,

2. Finanzvisitation durch Altabt Edmund, Erzabtei St. Peter, Salzburg, und Altabt Laurence, Sant Anselmo, Rom

ad 1) Die Kanonische Visitation war geprägt von großem Vertrauen, durch persönliche Gespräche mit jedem einzelnen Mönch und von einer nüchternen Einschätzung unseres Konventes in der besonderen Situation des Heiligen Landes und unsere Zeit.

ad 2) Die Finanzvisitation durch zwei Fachkenner der Materie sollte uns in der Umstrukturierung unserer Celleratur und in der Zeit der Finanzkrise Korrektur, Stütze und Hilfe sein, wie wir materiell und finanziell unsere Sache meistern können und die Weichen für die Zukunft hoffentlich richtig stellen können.

Der Besuch des Heiligen Landes durch Papst Benedikt XVI. im vergangenen Frühjahr war schon im Vorfeld von einem großen Medienrummel begleitet. Sehr festlich und aufwändig gestaltete Gottesdienste, hier in Jerusalem im Josaphat Tal in der Nähe der Kirche der Nationen und in Betlehem auf dem Krippenplatz, an denen wir als Gemeinschaft teilnahmen, war vor allem für die Ortskirche die Möglichkeit, dem Heiligen Vater nah oder fern zu begegnen. Leider wurde gerade hier in Jerusalem durch große Sicherheitsvorkehrungen der Zugang zur Heiligen Messe teilweise sogar behindert oder gar nicht ermöglicht. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, so dass man von teilweise 60 000 Einsatzkräften während der Papstvisite sprach. Leider kehrte der Heilige Vater nicht in der Dormitio ein, obwohl er sich im benachbarten Abendmahlssaal mit den Franziskanern der Custodie zum Gebet und Austausch traf. Auf unserer Rotunde und auf den Dächern der Abtei wurden währenddessen eine große Zahl an Sicherheitsposten platziert, die uns nicht erlaubten, den Papst wenigstens von unserer Dachterrasse gegenüber dem Abendmahlssaal zu grüßen. Viele von uns hatten den Eindruck, dass der Papst sehr stark von Seiten des Staates Israel vereinnahmt wurde.

 

Neues Friedhofskreuz

An Ostern konnten wir auf unserem Klosterfriedhof ein sehr eindrucksvolles Kreuz segnen, das uns als Spende von einem Künstler aus Stuttgart, Reinhard Verstege, geschenkt wurde. Bis es zu diesem so gestalteten Kreuz, an dem sowohl Leid, Kreuz und Auferstehung deutlich werden, kam, war ein langes und intensives Glaubensgespräch über dieses zentralste Thema unseres Glaubens mit dem Bildhauer, seinem Sohn, Vater Abt, P. Bernhard Maria und P. Prior Jonas vorausgegangen. Nun ist es an der Friedhofsmauer angebracht und drückt lebendig unsere Hoffnung aus.

 

Ökumenisches Theologisches Studienjahr

Durch einen Besuch der Bundesministerin Annette Schavan im letzten Jahr, ihre Begeisterung für unser Studienjahr und ihrer hochkarätigen begleitenden Delegation von Universitätspräsidenten, konnte nach langem und zähem Ringen vor allem auch durch die Initiative unseres letzten Dekans Dr. Joachim Negel ein Stiftungslehrstuhl eingerichtet werden. Der offizielle Titel lautet: Laurentius Klein Lehrstuhl für biblische und ökumenische Theologie (Langzeitdozentur, finanziert über den DAAD) für die nächsten 31/2 Jahre.

Die offizielle Einrichtung des Lehrstuhls wird am 14. Januar 2010 sein. Vertretungs-Studiendekanin ist bis zu dieser offiziellen Einrichtung Prof. Dr. Margareta Gruber. Sr. Margareta ist Franziskanerin von Siessen und war bis dato Lehrstuhlinhaberin für NT an der Pallottiner-Hochschule in Vallendar.

Zurzeit haben wir 21 Studierende, die aus 53 Bewerbungen ausgewählt wurden. Diese erhalten ihr Stipendium über den DAAD. Die Studierenden sind sehr präsent im Gebet. Es scheint, dass eine neue Generation von jungen Leuten heranwächst, die sich durch Freundlichkeit und Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinn auszeichnet. Auch ein kurzfristig anberaumter Besuch des früheren Bundesaußenministers Frank Walter Steinmeier ergab die Möglichkeit für eine Führung durch Kirche und Krypta und ei- ne zwanglose Begegnung in unserer Cafeteria zusammen mit unserem Botschafter Dr. Kindermann. Seit Dr. Kindermann Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel ist, mehren sich auch die Besuche von Politikerinnen und Politikern in unserer Abtei und auf dem Zion.

 

Geplante Baumaßnahmen

Die Heizungserneuerung, die schon für die Zeit nach dem letzten Studienjahr angedacht war, musste aus verschieden Grün- den, die besonders mit den Ausschreibungen und den unter- schiedlichen Angaben bei Abgabe der Bewerbungen zusammenhingen, auf die Zeit nach dem diesjährigen Studienjahr auf 2010 verschoben werden Zum 100-jährigen Kirchweihfest am 10. April 2010 ist ein großer Festgottesdienst geplant. Gott sei Dank fällt der Festtag, wie so oft in den vergangenen Jahren, diesmal nicht in die Karwoche. Musikalische Akzente werden dieses besondere Fest auch über das Jahr unterstreichen. In Zusammenhang mit dem Hundertjährigen wäre auch eine Erneuerung der Beleuchtung in der Krypta und des Anstrichs des Treppenabgangs bzw. -aufgangs und der Krypta sicher kein Luxus.

Sicher müssen wir in der nächsten Zeit gemeinsam das Problem unserer Pilgertoiletten angehen und für eine deutliche Verbesserung hier auf dem Zion sorgen. Die jetzige Toilettenanlage ist kein gutes Aushängeschild für unseren wunderbaren Ort.

 

 

 

 

 

 

 

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