Echt katholisch und gut deutsch
Über die deutschen Katholiken in Palästina 1838-1910
Es gibt oft seltsame Zusammentreffen. Da wird seit Jahren vom Auszug der Christen aus dem Heiligen Land berichtet. Auch Papst Benedikt XVI. hat dies bei seinem letzten Besuch dort zum Thema gemacht. Und dann erscheint nun ein Buch, das sich mit dem Anfang und Auftreten deutscher Katholiken in Palästina befasst. Der Autor ist Israeli. Haim Goren lehrt und forscht am Tel-Hail College in Israel und hat schon mit anderen Themen aus dem gleichen Spektrum auf sich aufmerksam gemacht. Er ist auch Autor des Buches „Zieht hin und erforscht das Land. Die deutsche Palästinaforschung im 19. Jahrhundert“.
Seine Forschungen hat er weiter ausgedehnt und sich besonders mit den deutschen Katholiken und ihrem Wirken in Palästina beschäftigt. Besonders kommt es ihm auf den Zeitraum zwischen 1838 und 1910 an, denn das 19. Jahrhundert war eine Zeit wichtiger Neuordnung in der Geschichte Palästinas. Damals waren es vier Bevölkerungsgruppen, die in diesem Zeitraum im Land lebten und agierten. Die erste Gruppe war die arabische Bevölkerung, im Wesentlichen muslimisch oder christlich-orthodox. Die zweite Gruppe machte die jüdische Bevölkerung des „alten Jischuws“ und des „neuen Jischuws“ aus. Zur dritten Gruppe gehörten die Vertreter des osmanischen Herrschaftsapparates und dessen Helfer und schließlich als vierte Gruppe die christlich-europäischen Akteure, sowohl säkulare wie religiöse, die im Land aktiv waren.
In der nun vorliegenden Studie geht es vor allem um das Auftreten und das Wirken deutscher Katholiken in der Region. Ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte Palästinas. Im Vergleich mit anderen europäischen Gruppen, begannen deutsche Katholiken im Land erst spät durch ihre Vereine mit Aktivitäten: Spenden sammeln, Pilgerfahrten organisieren, missionieren, Schulen und Kirchen bauen, Errichten von Siedlungen und nach Landkäufen das Betreiben von Landwirtschaft. Und das alles auf dem Hintergrund von wichtigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen in Deutschland. Einer der Schlüsselfiguren dieser Epoche in Palästina war der deutsche Pater Ladislaus Schneider.
Haim Goren stellt auch die anderen Persönlichkeiten vor, die für die deutschen Katholiken im Heiligen Land repräsentativ waren. In einem einführenden Kapitel wird die Bedeutung der Neugründung des Lateinisch-Katholischen Patriarchats und der „Kustodie der Franziskaner“ präsentiert. Ausführlich wird der „Deutsche Verein vom Heiligen Lande“ mit seiner Entstehung und seinem Wirken beschrieben. Es geht weiter um die Einrichtungen der deutschen Katholiken wie beispielsweise das Hospiz in Jerusalem am Jaffator, um das heutige Paulus-Haus am Damaskustor, um das Landgut in Emmaus-Kubebe, die Dormitio-Kirche und das Benediktinerkloster oder ein Krankenhaus in Nazareth. Schwarz-Weiß-Fotos von Pater Täpper im Garten von Kubebe zu sehen, einen Blick auf Pater Wilhelm Schmidt zu werfen (nach ihm ist die heutige deutsche Schmidt-Schule in der Nähe des Damaskustores benannt), macht neugierig auf die vielen anderen Details, die Haim Goren zusammengetragen hat. Ein informatives Buch ist herausgekommen. Manche Daten und Angaben liest man zum ersten Mal. Viele andere stammen aus der Zeitschrift „Das Heilige Land“, die seit ihrer Gründung 1857 bis auf den heutigen Tag ohne Unterbrechung erschienen ist. Die Quellenangaben sind – wie es sich für eine Studie gehört – sehr ausführlich und durchgehend aufgeführt. Eine Überprüfung oder ein Abgleich der vielen Daten ist also möglich. Goren hat den Versuch nicht gescheut, zusätzliche Quellen zu finden, die es ermöglichen können, bisherige Angaben zu verifizieren, gewonnene Erkenntnisse zu erhärten und den Dingen, das heißt den Aktivitäten deutscher Katholiken in Palästina gründlicher auf den Grund zu gehen. Es ist ein spannendes und wohl auch notwendig gewordenes Buch, das hier vorliegt und all denen anempfohlen sei, die vom Heiligen Land, die von Palästina und dem dortigen Wirken deutscher Katholiken mehr wissen wollen als in einem gut gemeinten Aufsatz zu finden ist. Natürlich auch für alle historisch interessierten Pilger oder Leser eine Fundgrube.
Erich Läufer
Haim Goren
„Echt katholisch und gut deutsch“
Die deutschen Katholiken und Palästina 1838-1910
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
476 Seiten / zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen / 39,90 Euro
ISBN 978-3-8353-0351-5
Wallstein-Verlag, Göttingen
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